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Schüßler-Salze

Schüßler-Salze für Tiere
Biochemie nach Schüßler

Die Biochemie nach Schüßler (Therapie mit Schüßler-Salzen) ist bei Tierhaltern in den letzten Jahren sehr populär geworden zur Selbstmedikation auch ihrer Tiere. Orientiert man sich an den vielen Laienratgebern, die inzwischen auf dem Büchermarkt zu erhalten sind, kann man mit Schüßler-Salzen fast alles heilen. Doch wie jedes andere Therapieverfahren hat die Biochemie nach Schüßler Grenzen, Indikationen und Kontraindikationen. Tierbesitzer können diese oft genug nicht richtig einschätzen. Umso wichtiger ist es, dass Tierärztinnen und Tierärzte sich mit der Biochemie nach Schüßler auseinandersetzen um interessierten Tierhaltern ein qualifiziertes Beratungs- und Therapieangebot machen können.

Ursprünge der Biochemie nach Schüßler

Der Begründer dieser Therapieform, Dr.med. Wilhelm Heinrich Schüßler (1821-1898), war bereits 15 Jahre als homöopathischer Arzt tätig, bevor er die nach ihm benannte Therapie entwickelte. Da die Homöopathie zu seiner Zeit bereits sehr zeitintensiv war – man kannte damals schon über 300 verschiedene homöopathische Mittel, suchte Schüßler nach einer einfacheren und wirkungsvollen Therapie.
Beeinflusst durch die Erkenntnisse von Virchow, von Liebig und Moleschott entwickelte er eine besondere Form der Mineralstofftherapie. Durch Untersuchungen an der Asche von Leichen und Leichenteilen stellte er fest, dass in unterschiedlichen Organen und Geweben unterschiedliche Mineralsalze dominieren. Durch weitere Experimente fand er heraus, dass homöopathisch hergestellte Mineralstoffverbindungen im Organismus eine Heilwirkung entwickeln.
Seine Erkenntnisse veröffentlichte er erstmals 1874: „Eine abgekürzte Therapie – Anleitung zur biochemischen Behandlung der Krankheiten”. Bis zu seinem Tod im Jahre 1898 erschienen 25 Auflagen dieser Schrift. Diese Therapieform verbreitete sich sehr rasch nicht nur in Deutschland sondern auch in europäischen und außereuropäischen Ländern, da sie einfach in der Anwendung und kostengünstig war.

Allerdings wurde Schüßler und seine Therapieform von seinen Ärztekollegen Zeit seines Lebens nicht anerkannt, so dass sich bereits 1885 zufriedene Patienten zusammentaten und in Oldenburg einen ersten biochemischen Verein gründeten. Daraus entstand eine immer größer werdende Laienbewegung. Heutzutage sind in Deutschland rund 80 biochemische Gesundheitsvereine unter dem Dach des Biochemischen Bundes Deutschlands e.V. zusammengeschlossen (Biochemischer Bund Deutschlands e.V., In der Kuhtrift 18, 41541 Dormagen, Internet: www.biochemie-net.de ).

Einordnung der Biochemie nach Schüßler

Die Biochemie nach Schüßler oder Schüßler-Salze-Therapie wird heute unter die zahlreichen Behandlungsverfahren der Regulationsmedizin eingeordnet. Es gibt bisher keinerlei wissenschaftlichen Untersuchungen über Schüßler-Salze, ebenso wenig existieren vergleichende Resultate aus der klinischen Forschung – weder beim Menschen noch bei Tieren. Die im Handel erhältlichen Schüßler-Salze-Präparate sind nach den Vorschriften des HAB (Homöopathisches Arzneibuch in der jeweils gültigen Fassung) hergestellt. Es gibt bei den Schüßler-Salzen auch keine exakt definierten Dosis-Wirkungs-Beziehungen wie bei schulmedizinischen Medikamenten.

Auch wenn die Präparate wie Homöopathika hergestellt werden, ist die Schüßler-Salze-Therapie keine Homöopathie. Die Anwendung dieser Mineralstoffpräparate gründet auf Erkenntnissen aus der physiologischen Chemie und nicht auf den Verordnungsprinzipien der Homöopathie (Similia similibus curentur = Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden).

Indikationen der Biochemie nach Schüßler

Grundsätzlich sollte ein Tier vor jeder Behandlung eingehend untersucht werden um eine Diagnose zu stellen. Erst danach sollte mit dem Besitzer zusammen entschieden werden, welche Therapie das Tier bekommen soll.

Der wichtigste Grundsatz der Biochemie: Ein schwerer Mineralstoffmangel im Organismus zum Beispiel durch Fehl- oder Mangelernährung kann durch Schüßler-Salze nicht behoben werden. Vielmehr sorgen die biochemischen Präparate dafür, dass das richtige Salz zur richtigen Zeit am richtigen Ort in ausreichender Menge vorhanden ist.

Domäne der Schüßler-Salze-Therapie ist zum einen die Prophylaxe von Gesundheitsstörungen, zum anderen die Therapie leichter akuter Erkrankungen. Auch bei schweren oder chronischen Erkrankungen kann die Biochemie nach Schüßler eingesetzt werden – meist in Kombination mit anderen Therapieverfahren. Schüßler-Salze können auch mit schulmedizinischer Therapie kombiniert werden.

Die Auswahl der Präparate kann erfolgen nach: – bewährten Indikationen bei allen leichten akuten Erkrankungen – äußerlich sichtbaren Zeichen bei schon länger bestehenden, zur Chronizität neigenden Prozessen – bioenergetischen Testverfahren bei unklaren Zeichen

Ein Tierbesitzer mit guter Beobachtungsgabe kann durchaus an äußeren Zeichen wie z.B. stumpfes, schuppiges Fell, veränderter Geruch, übersteigertes Putzverhalten usw. erkennen, welches der 12 Funktionsmittel sein Tier bei Störungen wie z.B. Erbrechen oder Durchfall benötigt.

Kontraindikationen der Biochemie nach Schüßler

Absolute Kontraindikationen gibt es für die Schüßler-Salze-Therapie keine, es bestehen eher relative Kontraindikationen beziehungsweise Situationen, in denen eine Schüßler-Salze-Therapie nicht die optimale Therapie ist, sondern eine andere Therapieform besser hilft.

Bei allen Erkrankungen, bei denen die körpereigene Selbstregulation nicht mehr funktioniert, und in Notfallsituationen sind die Schüßler-Salze als alleinige Therapie nicht angezeigt. So braucht z.B. der Diabetiker sein Insulin, ein Tier im Schock eine adäquate Schockbehandlung, ein Tier mit starkem Blutverlust eine Bluttransfusion, bei einer Fraktur muss der Knochen nach Möglichkeit durch osteosynthetische Maßnahmen in seine richtige anatomische Lage gebracht werden, damit er wieder gerade zusammenwachsen kann.

Nicht geheilt werden können durch Schüßler-Salze angeborene Missbildungen, Erbkrankheiten, Schäden durch Fehl-, Mangel- oder Überernährung, vollständig zerstörte Organ- oder Gewebestrukturen, akutes Organversagen, massiver Parasitenbefall, angeborene Charakterfehler oder auch mangelnde Sozialisation auf den Menschen.

Dosierung und Anwendung
Je akuter und heftiger Beschwerden auftreten, desto häufiger sollten die biochemischen Mittel gegeben werden. So kann z.B. bei akutem wässrigen Erbrechen anfangs mehrmals im Abstand von 10-15 Minuten eine Gabe verabreicht werden bis das Erbrechen sich bessert. Danach wird ist seltener – vielleicht noch zwei- bis dreimal täglich – verabreicht.
Bei chronischen Gesundheitsstörungen werden die biochemischen Mittel ein- bis dreimal täglich gegeben – meist über mehrere Monate. I.d.R. wechselt man nach 2 bis 3 Monaten die Präparate.

Dosierung: Bei kleinen Kätzchen unter 500 g Gewicht reicht ¼ Tablette pro Gabe, beim Jungtier unter 1,5 kg ½ Tablette, bei erwachsenen Katzen über 2 bis 6 kg eine Tablette, bei großen Katzenrassen über 6 kg 1 ½ Tabletten.

Die milchzuckerhaltigen Tabletten können in etwas lauwarmem Wasser aufgelöst und unter einen kleinen Leckerbissen gemischt werden. Optimal ist es, die gelösten Tabletten mit einer Einmalspritze direkt ins Maul zu geben.

Therapieerfahrungen

Mit den biochemischen Funktionsmitteln (Schüßler-Salze Präparate) kann vielen Tieren geholfen werden. Die Selbstmedikation durch Tierbesitzer ist sehr verbreitet. Sehr gute Erfahrungen liegen vor bei der Behandlung von chronisch-degenerativen Erkrankungen des Bewegungsapparates.

Schwer oder unheilbar erkrankte Tiere können durch den langfristigen Einsatz von Schüßler-Salzen kostengünstig stabilisiert werden. Selbst wenn eine Heilung nicht möglich ist oder das Tier lebenslang starke Medikamente bekommen muss, kann eine zusätzliche Schüßler-Salze-Therapie die Lebensqualität dieser Tiere erhöhen.

Alles in allem ist die Biochemie nach Schüßler in den Händen gut ausgebildeter Tierärzte/-innen eine kostengünstige Bereicherung ihrer Therapiemöglichkeiten.

Die 12 Schüßler-Salze

Ab 1874 setzte Dr. W. H. Schüßler in seiner Praxis nur noch die von ihm gefundenen und so genannten „Funktionsmittel” in seiner Praxis ein. Kurz vor seinem Tod nahm er die Nr. 12 – Calcium sulfuricum – aus seiner Biochemie wieder heraus. Seine Nachfolger nahmen sie allerdings schnell wieder auf. Jedes der Präparate hat Bezug zu bestimmten Geweben, Leitsymptome und typische Charakteristika in der Anwendung.

Nr. 1 Calcium fluoratum: Das „Knochenmittel” hat Bezug zu Knochen, Zahnschmelz, Oberhaut, Sehnen, Bändern und Gefäßen; es macht verhärtetes Gewebe weich und festigt erschlafftes; Einsatz bei Bindegewebsschwäche

Nr. 2 Calcium phosphoricum: Das „Stärkungsmittel” ist in allen Körperzellen vorhanden, besonders konzentriert in den Zellkernen; es spielt eine wichtige Rolle bei der Neubildung von Zellen; Einsatz bei Schwäche, Erschöpfung, Muskelkrämpfen und verzögertem Wachstum

Nr. 3 Ferrum phosphoricum: Das „Akutmittel” hat Bezug zu Hämoglobin, Myoglobin und Enzymen; es ist das Mittel für das erste Entzündungsstadium, wenn Schüttelfrost und leicht erhöhte Temperatur auftreten; Einsatz bei Anfälligkeit für Infektionskrankheiten, Schwäche und hellroten Blutungen

Nr. 4 Kalium chloratum: Das „Schleimhautmittel” hat Bezug zu allen Schleimhäuten im Organismus; es wird eingesetzt in der zweiten Phase von Entzündungen, wenn weißliche Ausscheidungen auftreten; Einsatz bei katarrhalischen Erkrankungen mit weißlich-gräulichen Ausscheidungen

Nr. 5 Kalium phosphoricum: Das „Muskel-Nerven-Mittel” hat Bezug zum Nervensystem, Gehirn, zur Muskulatur; es tritt eine ausgeprägte Schwäche mit hohem Fieber, Erschöpfung, Lähmungen und Ängstlichkeit auf; Einsatz bei bakteriellen Infektionen mit üblem Geruch der Ausscheidungen

Nr. 6 Kalium sulfuricum: Das „Hautmittel” hat Bezug zur Oberhaut, zu den Schleimhäuten und zur Leber; Entzündungen zeigen gelblich-stinkende Absonderungen; Einsatz bei allen Entzündungsprozessen von Haut und Wunden mit gelb-stinkenden Absonderungen

Nr. 7 Magnesium phosphoricum: Das „Nervenmittel” hatte Bezug zu Nerven, glatter und quer gestreifter Muskulatur; vermindert die Erregbarkeit von Nerven bei plötzlich einsetzenden, stechenden Schmerzen; Einsatz bei Krämpfen und Koliken, dabei Überempfindlichkeit gegen Berührung

Nr. 8 Natrium chloratum: Das „Bewässerungsmittel” hat Bezug zu allen Körperflüssigkeiten insbesondere zur Interzellularflüssigkeit; Tiere suchen Salzhaltiges, lecken Hände oder Beine ihre Besitzer ab; Einsatz bei wässrigem Tränen- oder Nasenausfluss, bei trockener schuppiger Haut

Nr. 9 Natrium phosphoricum: Das „Entsäuerungsmittel” hat Bezug zum Stoffwechsel und zur Interzellularflüssigkeit; in Galle, Nieren oder Blase kann Grieß- oder Steinbildung auftreten; Einsatz bei saurem Erbrechen, sauer riechenden Körperausscheidungen

Nr. 10 Natrium sulfuricum: Das „Ausscheidungsmittel” hat Bezug zu allen Körperflüssigkeiten; hilft zu entwässern und Stoffwechselschlacken auszuscheiden; Einsatz bei starkem Körpergeruch, morgendlichen stinkenden Durchfällen, Hautpilzerkrankungen

Nr. 11 Silicea: Das „Stabilisierungsmittel” hat Bezug zu Bindegewebe, Nerven, Haut, Haaren und Krallen; sorgt für Elastizität, treibt Eiter aus; Einsatz bei Neigung zu Eiterungen, bei Haar- und Krallenproblemen

Nr. 12 Calcium sulfuricum: Bezug zu Haut, Schleimhäuten und Gelenken; wirkt bei mehr chronischen und subakuten entzündlichen Prozessen; Einsatz zur Nachbehandlung von geöffneten Abszessen, bei Schleimhauterkrankungen mit dickflüssigen, gelb-grünlichen Absonderungen

Die Ergänzungsmittel: Nach dem Tod von Dr. W.H. Schüßler wurde seine Therapieform von Nachfolgern weiterentwickelt. Sie führten weitere Mittel – die so genannten Ergänzungsmittel – in die Therapie ein. Es handelt sich dabei um Substanzen, die nur in sehr geringen Mengen im Körper vorkommen und die Schüßler zu seiner Zeit noch nicht isolieren konnte. Sie werden in geringer Dosierung (in der D12) eingesetzt.

Nr. 13 Kalium arsenicosum: Bezug zur Haut, Einsatz bei chronischen Hauterkrankungen, bei Schwächezuständen und Abmagerung

Nr. 14 Kalium bromatum: Bezug zu Haut und Nervensystem, beruhigende und entzündungshemmende Wirkung auf Haut und Schleimhäute

Nr. 15 Kalium jodatum: Bezug zur Schilddrüse, Einsatz bei Über- und Unterfunktion der Schilddrüse

Nr. 16 Lithium chloratum: Bezug zu rheumatischen Erkrankungen, Einsatz bei Erschöpfungszuständen und geschwächtem Immunsystem

Nr. 17 Manganum sulfuricum: Bezug zur Bildung von Hämoglobin, Einsatz bei Anämien, zur Blutbildung

Nr. 18 Calcium sulfuratum: Bezug zu Haut, Schleimhäuten, Drüsen- und Muskelgewebe, Einsatz bei hartnäckigen Eiterungen

Nr. 19 Cuprum arsenicosum: Bezug zum Nervensystem und zu den Nieren, Einsatz bei Nervenschmerzen und Nierenerkrankungen

Nr. 20 Kalium aluminium sulfuricum: Bezug zum Magen-Darm-System und zum Gehirn, Einsatz bei Verstopfungs- und Blähungskoliken

Nr. 21 Zincum chloratum: Bezug zu zahlreichen Stoffwechselvorgängen und zum Gehirn, Einsatz zur Stoffwechselaktivierung und bei Nervenkrankheiten

Nr. 22 Calcium carbonicum: Bezug zu Knochen und zum vegetativen System, Einsatz bei Erschöpfungszuständen und chronischen Schleimhautkatarrhen

Nr. 23 Natrium bicarbonicum: Bezug zum Säure-Basen-Haushalt, Einsatz zur Stoffwechselaktivierung und bei Bauchspeicheldrüsenerkrankungen

Nr. 24 Arsenum jodatum: Bezug zu serösen Häuten, Einsatz bei nässenden Ekzemen und bei Lungenerkrankungen

Literatur:
Kübler, Heidi: Schüßler-Salze für Hunde, Gräfe und Unzer Verlag GmbH, München, 2006

Kübler, Heidi: Schüßler-Salze für Katzen, Gräfe und Unzer Verlag GmbH, München, 2008

Lindemann Günther: Dr.med. Wilhelm Heinrich Schüßler – Sein Leben und Werk, Isensee-Verlag, Oldenburg, 1992

Meinert, F. (ca. 1880): Leitfaden zur biochemischen Behandlung unserer kranken Haustiere, 1996 neu herausgegeben von Friedrich Bartelmeyer, Andreas-Hofer-Straße 43, 79111 Freiburg i.Br., Tel.: 0761/4763097

Quast, Carolin: Symptomenverzeichnis zur Schüßler-Salz-Therapie für Tiere, Natura Med Verlagsgesellschaft mbH, Neckarsulm, 2005

Schüßler, Wilhelm Heinrich (1898): Eine abgekürzte Therapie, 25. Auflage; Nachdruck: wzgverlag, Dormagen

Weitere Informationen über Schüßler-Salze können bezogen werden über:
Fa. DHU – Deutsche Homöopathie-Union, Postfach 41 02 80, 76202 Karlsruhe, Internet: www.schuessler.dhu.de

Biochemischer Bund Deutschlands e.V., In der Kuhtrift 18, D-41541 Dormagen, Tel.: 02133/72003, Fax: 02133/739138, e-mail: biochemie@bbdnet.de; Internet: www.biochemie-online.de

Verfasserin:
Dr.med.vet. Heidi Kübler
Rudolf-Diesel-Straße 17
D-74182 Obersulm-Willsbach


Artikel erstellt am: 17. Oktober 2008, 15:42