GGTM e.V.

Phytotherapie

Dr. Gerd Riedel-Caspari und Dr. Cäcilia Brendieck-Worm – 16.03.2007

Die Phytotherapie oder Pflanzenheilkunde [griechisch: Phyton = Pflanze] ist eine Heilmethode der Naturmedizin, bei der pflanzliche Arzneimittel (Phytopharmaka) eingesetzt werden. Die Phytotherapie gehört zu den ältesten aller Therapiemethoden und zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass sie relativ gut verträglich und nebenwirkungsarm ist. Sie wird von allen Völkern und auch intuitiv von Tieren angewandt. Hunde, Schimpansen und andere Tiere kauen bei Verdauungsstörungen auf bestimmten Pflanzen herum, die sie sonst nicht fressen. Rotwild wälzt sich in bestimmten Kräutermatten, wenn es verletzt ist. Und Vögel polstern ihr Nest mit aromatischen Kräutern und können so mehr Junge aufziehen.

Phytotherapie als wichtiger Bestandteil aller medizinischer Richtungen

Die Pflanzenheilkunde ist ein wichtiger Bestandteil aller traditionellen medizinischen Systeme. Herausragende Bedeutung hat sie etwa in der ayurvedischen Medizin, in der tibetischen Medizin oder der japanischen Kampoo-Medizin. In der Traditionellen Chinesischen Medizin erfährt sie als Ergänzung zur Akupunktur große Wertschätzung. Aber auch in der Homöopathie trägt die Heilpflanzenkunde zu einem besseren Verständnis der Arzneimittelbilder bei und hilft die Wirkungen von Tiefpotenzen besser einzuordnen. Nicht zuletzt entstammen auch die Arzneimittel der so genannten westlichen Schulmedizin ursprünglich der Pflanzenheilkunde.


Echinacea

In der westlichen Welt entwickelte sich die Phytotherapie im Laufe der letzten Jahre erneut zu einer eigenständigen und wissenschaftlich fundierten Medizinrichtung. Die Wirkung von pflanzlichen Präparaten muss heute wissenschaftlich belegt werden, damit die pflanzlichen Medikamente, deren Wirksamkeiten erfahrungsgemäß schon lange bekannt sind, auch von den Zulassungsbehörden, der Bundesagentur für Arzneimittel (DAMA) für die Humanarzneimittel in Bonn und dem Bundesinstitut für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) für die Tierarzneimittel in Berlin zugelassen werden können.

Geschichte der Phytotherapie

Heilpflanzen zur Heilung, Kräftigung und Erhaltung der Gesundheit wurden in Europa intensiv von Mönchen und Ordensfrauen verwendet, und fast jedes Kloster hatte seinen eigenen kleinen Kräutergarten. Blätter, Blüten, Stängel, Wurzeln und Früchte wurden zu Arzneimitteln verarbeitet. Zuvorderst stand in der Klostermedizin die Heilung und Linderung menschlicher Gebrechen. Kranken Tieren wurde dagegen von klösterlicher Seite selten Beachtung geschenkt. So waren es vor allem volksheilkundliche Heiler und Heilerinnen, Bauern und Hirten, die mündlich weitergegebene Erfahrungen über die Wirkung von in der Umgebung wachsenden Wildkräutern auch erkrankten Tieren zugute kommen ließen.

Die Erkenntnisse und Erfahrungen der klösterlichen Pflanzenheilkundigen wurden im Mittelalter Bestandteil der “wissenschaftlichen” Medizin. Seither werden pflanzliche Medikamente auch von Ärzten, Apothekern und Drogisten zur Heilung und Stärkung kranker Menschen eingesetzt. Ein berühmter Vertreter der ärztlich eingesetzten Phytotherapie war Paracelsus (1493-1541), der seine medizinische Tätigkeit auf Erfahrung, Experimenten und Naturbeobachtungen gründete.

Eine regelrechte Tiermedizin entstand erst, als militärische Erfolge von gesunden Pferden abhingen. Die alten „Stallmeister“ legten ihre Kenntnisse schriftlich nieder und begründeten so die moderne Tiermedizin. Nicht zuletzt hatten Heilpflanzen in diesen frühen Schriften für die Behandlung erkrankter Pferde einen großen Stellenwert.

Heutzutage wissen wir viel über die Inhaltstoffe der Pflanzen wie etwa Alkaloide, Ätherische Öle, Harze, Schleim-, Gerb- und Bitterstoffe, Vitamine und Enzyme. Das von Expertenkommissionen kritisch geprüfte Erkenntnismaterial zur Botanik, Pharmakologie, Herstellung und praktischen Anwendung beim Menschen wurde in so genannten Heilpflanzenmonographien zusammengefasst. Ausgangspunkt der systematischen Sichtung des verfügbaren Wissens waren die Heilpflanzenmonographien der Kommission E, die dann zuerst von der Europäischen Wissenschaftlichen Kooperation für Phytotherapie (ESCOP) und nun vom Komitee für pflanzliche Arzneizubereitungen (HMPC) bei der Europäischen Arzneimittelagentur in London, sowie von der WHO in Genf für die gesamte Erde fortgesetzt werden. Die Monografien unterliegen einer kontinuierlichen Überprüfung und sind Basis der modernen Phytotherapie. Es gibt jedoch bisher keinerlei Ansätze, ähnliche Wissenssichtungen für pflanzliche Tierarzneimittel zu erarbeiten.

Stellenwert der Phytotherapie in der aktuellen Medizin

Durch den Siegeszug der isolierten oder chemisch-synthetischen Arzneistoffe war die Pflanzenmedizin über lange Zeit im Niedergang begriffen. Doch seit einigen Jahrzehnten erfreut sie sich zumindest in der Humanmedizin wieder steigender Beliebtheit. Anders in der Tiermedizin, die sich über lange Zeit vor allem der Behandlung von Erkrankungen in der Massentierhaltung widmen musste. Hier waren schnell und durchschlagend wirkende, billige Arzneimittel zur Therapie ganzer Herden gefragt. Erst durch die zunehmende Haltung von Hobbytieren, der Hinwendung zum Einzeltier kamen andere Erkrankungen wieder in das Bewusstsein und damit auch eine Wertschätzung nebenwirkungsarmer Heilmethoden.

Oft herrscht noch die Ansicht, dass Phytotherapeutika in ihren Wirkungen nicht genau genug einschätzbar seien und aus gar nicht oder schlecht geprüften Ausgangsstoffen hergestellt würden. Tatsache ist, dass moderne Phytotherapeutika aus definierten, standardisierten oder normierten Ausgangsstoffen (Drogen) und nach offiziellen Herstellungsleitlinien produziert werden. Für eine ganze Reihe von ihnen liegen klinische Studien und Anwendungsbeobachtungen vor. Und insgesamt zeichnen sie sich immer wieder durch ihre gute Verträglichkeit aus.

Leider behindert die immer noch wenig differenzierte, pauschale Betrachtungsweise der Phytotherapeutika bei Gegnern wie Befürwortern eine sachliche Beurteilung der Chancen und Risiken. Das Spektrum der Heilpflanzen reicht von sehr drastisch wirkenden und mit äußerster Vorsicht einzusetzenden Drogen wie Tollkirsche, Stechapfel, Herbstzeitlose, Nieswurz und Fingerhut bis hin zu quasi nebenwirkungsfreien wie Ringelblume, Weißdorn, Kürbis und Melisse. Das Spektrum der tiermedizinisch eingesetzten Pflanzenpräparate reicht von sehr wenigen zugelassenen Phytopharmaka bis hin zu vielen nichtmedizinischen Produkten. Analog zu Kosmetika und Nahrungsergänzungsmitteln für Menschen nehmen auch in der Gesundheitspflege von Tieren Tierpflegemittel und Ergänzungsfuttermittel auf der Basis von Pflanzenzubereitungen einen großen Raum ein.

Von der Tollkirsche zum Weißdorn

Mit Hilfe chemischer Arbeitsmethoden begann man im vorletzten Jahrhundert, einzelne Wirkstoffe aus besonders drastisch wirkenden Pflanzen zu isolieren und so gezielter einzusetzen. Zum Beispiel wurden aus der giftigen Tollkirsche das Atropin und aus dem roten Fingerhut (Digitalis) Digitoxin und Digoxin isoliert. All diese Stoffe kommen auch heute noch in der modernen Medizin zum Einsatz. Sie zählen jedoch als Arzneimittel, die nur noch einen isolierten Wirkstoff enthalten, nicht mehr zu den Phytotherapeutika im engeren Sinne. Sie haben jedoch in der standardisierten Form den Vorteil, dass sie sehr genau dosierbar sind. Natürliche Schwankungen drastisch wirkender Inhaltsstoffe dieser Heilpflanzen können ansonsten zu risikoreicher Überdosierung führen.


Digitalis

Die moderne, schulmedizinisch geprägte so genannte rationale Phytotherapie unterscheidet sich von den chemisch-synthetischen Arzneimitteln durch die Ausgangsstoffe, die für die Medikamente verwendet werden. Die heute im engeren Sinn als Phytopharmaka eingesetzten Arzneipflanzenzubereitungen enthalten immer ein Gemisch aus Wirk- und Begleitstoffen. Nicht selten bestehen sie sogar aus Mischungen verschiedener Arzneipflanzen, wenn sie etwa in einfacher Form als verfütterbarer „Medizinaltee“ aus verschiedenen mehr oder weniger zerkleinerten Heilpflanzen zusammengestellt werden. In Form von Extrakten werden sie als Tabletten, Kapseln, Tropfen, Salben und Öle angeboten.

Die Anforderungen an die Arzneimittelqualität und Arzneimittelsicherheit werden bei den pflanzlichen Arzneimitteln ebenso hoch angesetzt, wie bei chemisch-synthetischen Medikamenten.

Verträglichkeit von Phytopharmaka

Die Wirkungen der pflanzlichen Arzneimittel (Phytopharmaka) beim Menschen sind teilweise schon seit vielen Jahrzehnten oder Jahrhunderten wenn nicht seit Jahrtausenden bekannt. Pflanzen, die sich in der Anwendung als zu gefährlich erwiesen, wurden extrahiert, standardisiert und feiner dosiert oder durch andere Stoffe ersetzt. Die verbleibenden pflanzlichen Medikamente, wie wir sie heute in westlichen Ländern kennen und schätzen, zeichnen sich deshalb in der Regel dadurch aus, dass Nebenwirkungen weit seltener vorkommen als bei vergleichbaren synthetischen Präparaten.

Pflanzliche Arzneimittel werden von vielen Menschen als völlig frei von Nebenwirkungen angesehen, was aber so nicht uneingeschränkt richtig ist. Tatsache ist, dass ein Mittel, das Wirkungen zeigt, natürlich auch Nebenwirkungen haben kann, die teilweise unerwünscht sind. So ist es in den vergangenen Jahren auch immer wieder einmal zu mehr oder weniger nachvollziehbaren Anwendungsverboten für bestimmte Heilpflanzen gekommen. Besondere Gefahren gehen definitiv von Pflanzenmischungen aus, die nicht ausreichend geprüft wurden. Hier ist es bereits durch Verwechslungen mit giftigen artverwandten Pflanzen zu Todesfällen gekommen. Medikamente, die man als Arzneimittel in der Apotheke mit dem Aufdruck „Apothekenpflichtig“ kauft oder vom Tierarzt erwirbt, sind hingegen gut untersucht worden. So muss der Hersteller zum Beispiel nachweisen, dass die verwendeten Inhaltsstoffe nicht krebserregend sind. Festgelegte Höchstmengen an Pflanzenschutzmitteln dürfen nicht überschritten werden, ebenso die Menge an eventuell problematischen Pflanzen-Inhaltsstoffen. Diese strengen Regeln gelten sogar für losen Kräutertee aus der Apotheke. Gültigkeit haben derartige Vorschriften im Rahmen der Anforderungen der Futtermittelgesetzgebung auch für die genannten Ergänzungs- und Diätfuttermittel, in denen Pflanzen enthalten sind. Auf jeden Fall gilt: Pflanzliche Mittel wirken, und darum sollten sie nicht wahllos gegeben werden.

Die Anwendung von Heilpflanzen am Tier ist insgesamt weit weniger intensiv untersucht als beim Menschen. Dazu kommt die Schwierigkeit, dass die einzelnen Tierarten recht unterschiedliche Stoffwechselsysteme haben. So ist der Stoffwechsel einer Kuh nicht mit dem einer Katze vergleichbar, der einer Ziege nicht mit dem eines Vogels. Bestimmte Pflanzenwirkstoffe, wie z.B. ätherische Öle, werden von Pflanzenfressern gut vertragen und haben stimulierende Wirkungen. Ein Fleischfresser wie etwa die Katze hat jedoch große Mühe, sie auszuscheiden und kann durch ein Zuviel davon leicht geschädigt werden.

Wie bei jedem anderen Arzneimittel gilt auch hier deshalb besonders, dass die Medikamente nur nach Anweisungen des Tierarztes oder Apothekers gegeben werden sollen und die Anweisungen auf der Packungsbeilage befolgt werden sollten.

Einsatzgebiete

Pflanzliche Arzneimittel sind in der Regel keine Arzneimittel zur Akut- und Notfallmedizin (Intensivmedizin). Ihr Nutzen liegt vor allem im Bereich der Behandlung, Verhütung, Verzögerung und Unterbrechung chronischer und altersbedingter Krankheitsprozesse. Hier stellen die pflanzlichen Arzneimittel eine wichtige Alternative zu chemisch-definierten Arzneimitteln dar.

In der Humanmedizin kommen Phytotherapeutika vor allem bei Erkrankungen des Nervensystems zum Einsatz. Baldrian beruhigt und fördert den Schlaf; Johanniskraut hilft bei leichten bis mittelschweren Depressionen und Ginkgo wirkt der Vergesslichkeit (Altersdemenz) entgegen. Auch bei Infektionen der oberen Atemwege werden Zubereitungen aus Ätherischöl-haltigen Pflanzen und abwehrsteigernde Mittel gern und mit gutem Erfolg verwendet. Nach wie vor wird Appetitlosigkeit und Blähungen am besten mit Bitterstoffen und ätherischen Ölen aus Pflanzen begegnet. Bei toxischen Lebererkrankungen gelten Mariendistelauszüge, bei leichten funktionellen Herzbeschwerden Weißdorn und bei gutartiger Prostatavergrößerung Kürbis, Brennnesselwurzel und Sägepalmenfrüchte als Mittel erster Wahl.

Die heute in der Regel sehr alt werdenden Hobbytiere, seien es Pferd, Hund, Katze, Meerschweinchen, Kaninchen oder Vogel, leiden oft an ähnlichen Erkrankungen wie der Mensch. Insofern scheint für diese Tierarten eine Übertragung der Phytotherapie aus der Humanmedizin sinnvoll, wenn die Besonderheiten ihres Stoffwechsels beachtet werden.

Ganz andere Gesundheitsprobleme plagen unsere Nutztiere. Nicht zuletzt wegen der hohen Dichte von Tieren in der Massentierhaltung und der unter diesen Bedingungen schwer optimierbaren Hygiene erkranken insbesondere Jungtiere an Infektionskrankheiten des Darms und der Lunge. Zuchttiere sind oft nicht so fruchtbar wie vom Landwirt erwartet. Und die Milchdrüsen von Kuh und Sau zeigen hohe Anfälligkeiten für Entzündungen. Hier steht die Phytotherapie vor der Aufgabe, diese akuten Erkrankungen schnell und kostengünstig zu heilen – einem Anliegen, dem sie kaum gewachsen scheint. Nicht zuletzt, weil sie nicht auf gut erforschte Produkte aus der Humanmedizin zurückgreifen kann. So wird der Einsatz der Phytotherapie in den Richtlinien zur Ökologischen Tierhaltung zwar ausdrücklich gefordert. Ihrem breiten Einsatz stehen jedoch kaum überwindbare wirtschaftliche und gesetzliche Hürden entgegen. Denn nur einige wenige Heilpflanzen dürfen laut Rückstandshöchstmengenverordnung der EU bei Lebensmittel-liefernden Tieren eingesetzt werden.

Rechtliche Grundlagen des Einsatzes von Phytotherapeutika bei Tieren

Arzneimittel dürfen auch am Tier nur nach den geltenden Bestimmungen des Arzneimittelgesetzes angewendet werden. Das Gesetz sieht für die Anwendung von pflanzlichen Arzneimitteln an Tieren verschiedene Wege vor. Dabei unterscheidet der Gesetzgeber deutlich zwischen Tieren, die zur Lebensmittelgewinnung dienen und Hobbytieren.

Am einfachsten ist es, bei einem kranken Tier ein Phytotherapeutikum anzuwenden, das für die jeweilige Tierart und die Erkrankung zugelassen ist. Dann sind sowohl die Zieltierart als auch die Indikation und Dosierung auf der Packung angegeben. Wenn das Arzneimittel nicht verschreibungspflichtig ist, kann sich der Tierbesitzer dieses Mittel auch selbst in der Apotheke besorgen. Er muss es dann genau nach den dort angegebenen Vorschriften anwenden. Das Angebot ist jedoch sehr beschränkt. Nach dem Ende der Nachzulassung im Jahr 2005 ist die Anzahl der für Tiere zugelassenen Phytotherapeutika auf einige wenige geschrumpft.

Alle anderen pflanzlichen Arzneimittel dürfen nur von Tierärzten verschrieben und unter ihrer Verantwortung angewendet werden. Handelt es sich um Arzneimittel für Menschen oder hat er das Mittel in einer Apotheke extra herstellen lassen, wird er auf einem Rezept angeben, für welches Tier das Arzneimittel bestimmt ist, gegen welche Erkrankung es verschrieben wird und wie das Arzneimittel zu verabreichen ist. Wenn das Arzneimittel einem Lebensmittel-liefernden Tier gegeben werden soll, wird er auch eine Wartezeit angeben. Die Regelwartezeiten betragen auch bei völlig unbedenklichen pflanzlichen Arzneimitteln 28 Tage für Fleisch, 7 Tage für Milch und 10 Tage für Eier.

In den vergangenen Jahren sind die Anforderungen an die Zulassung von Arzneimitteln stetig gestiegen. Nur wenige alte Tierarzneimittel erhielten eine Nachzulassung, noch weniger konnten neu zugelassen werden. Für pflanzliche Arzneimittel sind die gesetzlichen Anforderungen für eine Zulassung eigentlich nicht mehr erfüllbar, weil sie wegen der vielen Inhaltsstoffe schwieriger zu standardisieren sind als synthetische Arzneimittel mit nur einem Wirkstoff. Eingebürgert haben sich in den letzten Jahren deshalb nicht medizinische pflanzliche Präparate, die mit geringerem Aufwand an den Markt gebracht werden können. Dazu zählen vor allem Spezialfuttermittel und Tierpflegemittel.

Hat die Phytotherapie beim Tier eine Chance?

Zur Zeit zeichnet sich eine wachsendes Interesse an der Phytotherapie ab. Viele Menschen wollen für ihr Tier ebensolche sanften Heilmethoden wie für sich selbst. Hobbytiere werden immer älter und so wächst auch der Bedarf für Langzeitmedikationen ohne Nebenwirkungen. Es fehlen jedoch Phytotherapeutika, die für diese Indikationen für Tiere zugelassen sind. Die Anwendung von Humanarzneimitteln am Tier durch Umwidmung scheitert in vielen Fällen an den gültigen gesetzlichen Vorschriften.

Bei den Lebensmittel-liefernden Tieren im Ökologischen Landbau ist die Verwendung rückstandsarmer und umweltverträglicher Medikamente zwar vorgeschrieben. Einem breiten Einsatz von pflanzlichen Arzneimitteln ist jedoch durch die Rückstandshöchstmengenverordnung ein Riegel vorgeschoben.

Nicht zuletzt besteht auch in der konventionellen Landwirtschaft Bedarf für neue Wirkstoffe zur Verminderung der Resistenzproblematik. Der Einsatz von Phytotherapeutika zu diesem Zweck steckt jedoch in den Kinderschuhen.

Andere komplementärmedizinische Methoden erkennen die Bedeutung der Phytotherapie zusehends. So erfolgt in der Akupunktur eine Rückbesinnung auf die Bedeutung der Phytotherapie in Kombination mit der Stimulation durch die Nadel. Und in der Homöopathie weitet sich das Verständnis insbesondere für die Wirkung von Tiefpotenzen, wenn die Pharmakognosie in das Verständnis der Materia medica homöopathica einbezogen wird.

Für eine breitere Anwendung von Phytotherapeutika am Tier ist entscheidend, dass die rechtlichen Anwendungsbeschränkungen gelockert werden. Dazu gehören eine einfachere Anwendung von Humanarzneimitteln am Tier und die Aufnahme weiterer Pflanzen in die Rückstandshöchstmengenverordnung.

Die Phytotherapie bietet, abgesehen von den vielfältigen rechtlichen Erschwernissen, dem erfahrenen Anwender ein breites Spektrum therapeutischer Möglichkeiten.
Insbesondere bei chronifizierenden Erkrankungen, v.a. der Haut, der Bewegungsorgane, des Magen-Darmtraktes, sowie bei immer wiederkehrenden Infekten vor allem der Atemwege und der Harnwege sollte an Pflanzenheilmittel und ihre Fähigkeit zur Unterstützung der Selbstheilungskräfte des erkrankten Organismus gedacht werden.

Bei Unverträglichkeiten und Wirkungslosigkeit konventioneller Pharmaka können Phytotherapeutika einen Ausweg bieten. Ebenso kann ihr Einsatz dazu beitragen, dass nebenwirkungsreiche synthetische Pharmaka in ihrer Dosis reduziert werden können, was gerade bei Langzeit- und Daueranwendung von großer Bedeutung ist.
Fundierte Informationen auch für den Laien über die Anwendung von Heil- und Gewürzpflanzen finden Sie u.a. in dem Buch “Kräuter für Nutz- und Heimtiere” einer österreichischen Arbeitsgruppe (ISBN-Nr.: 10:3-200-00663-3, ISBN-13:978-3-200-00663-8).

Welchen Stellenwert Phytotherapie in einem ganzheitlichen Therapiekonzept haben kann, welche tierartlichen und individuellen Besonderheiten zu beachten sind, welche Arten der Applikation sinnvoll erscheinen (Intervall-Gabe, kurmäßige Anwendung etc.), wie Phytotherapeutika effektiv kombiniert werden können usw. erfahren Sie bei ganzheitlich therapierenden Tierärztinnen und Tierärzten.

Für Tiermediziner/innen bietet die ATF im Rahmen der Zusatzbezeichnung “Biologische Tiermedizin” Grundlagenkurse und Vertiefungskurse (Dermatologie, Geriatrie) zur Phytotherapie. Die GGTM veranstaltet darüber hinaus jährlich ein Praxisseminar zur Phytotherapie. Auch auf dem Internationalen Kongress für Ganzheitliche Tiermedizin ist die Phytotherapie durch Fortbildungsangebote vertreten.


Artikel erstellt am: 16. März 2007, 10:38