GGTM e.V.

Homotoxikologie

Dr. Erich Reinhart – 15.06.2007

Krankheitslehre

Homotoxikologie ist eine von dem homöopathischen Arzt Dr. Hans-Heinrich Reckeweg (1905 – 1985) entwickelte Krankheitslehre, die in „Homotoxinen“ (endogen oder exogen entstandene und auf den Organismus einwirkende Schad- oder Belastungsstoffe; „Homotoxine“= wörtl. Menschengifte) die Ursache von Erkrankungen sieht, und die ihre Gültigkeit auch in der Tiermedizin beweist. Die Homotoxikologie geht davon aus, dass alle Krankheiten als biologisch zweckmäßige Abwehrvorgänge und Kompensationsprozesse gegen Homotoxine zu interpretieren sind. Die Krankheitsstadien teilte Reckeweg in sechs Phasen der Homotoxinabwehr ein, daraus ergibt sich die Sechs-Phasen-Tabelle der Homotoxikosen. Erste Krankheitsanzeichen äußern sich danach als vermehrte Ausscheidung wie z. B., je nach hauptsächlich betroffenem Organsystem, als Schwitzen oder „laufende Nase“ (Exkretionsphase). Es folgen mit zunehmender Ausprägung der Krankheit verschiedene Phasen wie Entzündung (Inflammationsphase) und Ablagerung (Depositionsphase) bis hin zu Imprägnationsphase (latente Schwäche von Organen, “Locus minoris resistentiae”), Degenerationsphase und im schlechtesten Fall die Bildung eines Tumors (Dedifferenzierungsphase). Gelegentlich kann es auch zu einer Verlagerung von Krankheiten auf andere Gewebe bzw. Organe kommen (Vikariation), wie z.B. bei einem Wechsel zwischen Ekzem und Asthma.

Behandlungsprinzip

Die Behandlung („antihomotoxische Therapie“) soll über eine Aktivierung der Eigenregulation das Abwehrsystem stimulieren und die Homotoxine neutralisieren und entgiften. Die Entgiftung und damit die Abwehr von Krankheiten erfolgt durch das sogenannte System der großen Abwehr, das sich in das Monozyten-Makrophagen-System, die Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse, die neurale Abwehr sowie die Entgiftungsfunktionen von Leber und Bindegewebe untergliedert. Diese körpereigenen Abwehrmechanismen können durch geeignete homöopathisch hergestellte Arzneimittel unterstützt werden. Die Homotoxikologie versteht sich als eine erweiterte Homöopathie, die (im Gegensatz zur klassischen Homöopathie) vorwiegend Kombinationspräparate, seltener Einzelmittel verordnet. Die Therapie kann deshalb u.a. indikationsorientiert gewählt werden und erfordert dadurch wesentlich weniger Aufwand bei der Wahl der Arzneimittel.

Arzneimittel

Auch der antihomotoxische Arzneimittelschatz ist gegenüber der klassischen Homöopathie um spezifische Wirkstoffgruppen erweitert worden. Hierzu zählen potenzierte Suis-Organpräparate, intermediäre Katalysatoren, homöopathisierte Allopathika sowie Nosoden. Während die Suis-Organpräparate zur Behandlung bei einer Schwäche des entsprechenden Organs des Patienten eingesetzt werden, dienen die sogenannten intermediären Katalysatoren dazu, den intermediären Stoffwechsel in der Zelle und damit vor allem die Energieversorgung der Zelle zu verbessern. Homöopathisierte Allopathika werden vor allem bei Therapieschäden durch synthetische Arzneimittel verwendet. Nosoden, homöopathische Zubereitungen aus Mikroorganismen oder Krankheitsprodukten, werden bei chronischen Krankheitszuständen eingesetzt, die in Verbindung mit früher durchgemachten Infektionen stehen. Alle antihomotoxischen Arzneimittel sind jedoch homöopathische Arzneimittel, d.h. sie werden mittels der homöopathischen Potenzierung hergestellt.

Vorteile der antihomotoxischen Therapie

Die auf der Grundlage der antihomotoxischen Medizin zusammengestellten Arzneimittel enthalten eine therapeutisch zweckmäßige Kombination von Bestandteilen der genannten spezifischen Arzneimittelgruppen wie auch aus dem übrigen homöopathischen Arzneimittelschatz. Durch diese Kombinationen wird die Eigenregulation des Organismus gestärkt oder neu in Gang gesetzt und dadurch der Krankheitsverlauf im Einklang mit den körpereigenen Regulationsmechanismen positiv beeinflusst. In manchen Fällen laufen dabei Krankheitsphasen in umgekehrter Reihenfolge des Auftretens ähnlich einem rückwärts laufenden Film noch einmal ab. Durch die Anwendung kleinster Substanzmengen in den potenzierten Arzneimitteln, die zudem aus der natürlichen Lebensumwelt von Mensch und Tier stammen, bilden die antihomotoxischen Arzneimittel beim Nutztier keine Rückstände und erfordern keine Wartezeit (Anhang II der EU-Verordnung 2377/90). Auch beim Kleintier, Hund und Katze, ermöglichen sie ohne Belastung durch Fremdstoffe von außen eine wirksame Behandlung im Einklang mit den Selbstheilungsbemühungen des Organismus.

Bewährte Anwendungsgebiete für Antihomotoxische Präparate
Aufgrund des umfassenden Therapieansatzes und der Vielfalt der zur Verfügung stehenden Präparate kann die Antihomotoxische Therapie in der Tiermedizin eine Reihe von wichtigen Krankheitsgebieten abdecken. Bei akuten Erkrankungen wie z. B. Entzündungen oder Verletzungen, aber auch viral oder bakteriell bedingten Erkrankungen unterstützen Antihomotoxika eine schnelle und komplikationslose Genesung. Auch bei Stoffwechselerkrankungen und hormonellen Störungen bieten die Antihomotoxischen Präparate erfolgversprechende Ansatzmöglichkeiten.

Zu den Domänen der Biologischen Medizin einschließlich der Homotoxikologie gehören neben den akuten auch subakute, chronische und degenerative Erkrankungen, die heute aus verschiedenen Gründen nicht nur beim älteren Tier zunehmend das Krankheitsgeschehen bestimmen. Mittels der Antihomotoxischen Medizin und ihrer Präparate kann sowohl bei Unter- als auch bei Überreaktionen des Abwehrsystems (Abwehrschwäche, Allergie), bei chronischen Organerkrankungen sowie bei degenerativen Veränderungen, beispielsweise am Bewegungsapparat oder an inneren Organen, und schließlich auch bei bzw. nach Tumorerkrankungen eine Regulation der Körperfunktionen bewirkt werden. Damit kann in den meisten Fällen der Krankheitsverlauf und, oft schon davor deutlich erkennbar, das Allgemeinbefinden entscheidend verbessert werden.


Artikel erstellt am: 16. März 2007, 10:50