GGTM e.V.

Goldakupunktur

Dr. Michael Wolters – 16.03.2007

Mit Goldakupunktur (GAP) wird ein Therapieverfahren bezeichnet, das als eine Spezialform der Akupunktur betrachtet wird.

Implantation von Fremdkörpern u.a. zum Erzielen einer länger andauernden Akupunkturwirkung war seit alters her in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) gebräuchlich. Die “Gold Bead Implantation” ist aber eine Therapie der Neuzeit, die Terry Durkes nach Vorarbeiten von Grady Young in seiner Praxis seit 1975 entwickelt hatte. Ende der achtziger Jahre brachte Jens Klitsgard aus Dänemark diese Therapie nach Europa. Aber erst nach einer erneuten Vorstellung der Methode auf dem Wiener Jahreskongress der IVAS (International Veterinary Acupuncture Society) im Jahre 2000 wurde sie auch bei deutschen Akupunkteuren populär.

Nebenbei: Die wenigen Humanakupunkteure, die Goldakupunktur anbieten, haben die Methode von der Tiermedizin übernommen.

Mit einer Kanüle werden in leichter Allgemeinnarkose (beim Pferd Sedierung und Lokalanästhesie) Goldpartikel (in Amerika oft vergoldete Magnetkügelchen, in EU meist Golddrahtstücke) an Akupunkturpunkte implantiert. Für die therapeutische Wirkung gibt es bisher nur Theorien.

Als Indikation kommen v.a. chronische Gelenksveränderungen infrage, auch und besonders solche im Anfangsstadium. Denn dadurch kann oft ein Weiterschreiten der Degeneration verhindert, zumindest deutlich verlangsamt werden. Prinzipiell ist die GAP an allen Gelenken möglich, solange die Goldstücke in Weichgewebe eingebettet werden können. Außerdem hat sich GAP in einigen Fällen bei Epilepsie bewährt.

Bildgebende Verfahren können Hinweise auf degenerative Prozesse an den Gelenken geben, das allein ist aber nicht ausschlaggebend für die Indikation zur GAP. Maßgebend ist das Schmerzempfinden bei Belastung. Ähnlich wie in der Humanmedizin (z.B. Schulter-Arm-Syndrom) gibt es oft schmerzhafte Zustände ohne Substrat. Andererseits kann man schon bei jungen Tieren deutlich pathologische Gelenke finden ohne ausgeprägtes Schmerzverhalten. Auch und gerade in diesen Fällen ist eine GAP indiziert, weil sie die Ausprägung von Schmerzzuständen zumindest verzögern kann.

Offensichtlich wirkt die Golddrahtimplantation in vielen Fällen auch ohne Kenntnis der und das Wissen um die Wirkung der Akupunktur. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass die Erfolge dabei meist nur kurzfristig sind: Die Besitzer berichten über das Wiederauftreten der alten Symptome nach etwas zwei bis drei Jahren, während eine “gute” GAP i.d.R. lebenslang wirkt.

Möglicherweise spielt also doch eine fundierte Akupunkturausbildung zusammen mit mehrjähriger Praxiserfahrung (dessen Bestätigung dann die Zusatzbezeichnung wäre) eine nicht zu unterschätzende Rolle. Denn nur dann kann auch der Tierbesitzer über das Wesen und die Wirkung der Akupunktur so aufgeklärt werden, dass er sein Tier richtig behandelt und die sichtbaren Verbesserungen nicht überschätzt. GAP ist mehr als Schmerztherapie, es ist die Einbettung einer speziellen Technik in ein Gesamtkonzepts, die Stimulation des Organismus in Richtung Optimierung des Systems.

Goldimplantation und Goldakupunktur werden oft synonym gebraucht und deshalb verwechselt. Goldimplantate kann jeder geschickte Chirurg nach einem Crashkurs durchführen. Terry Durkes hatte seine Methode (im englischen Sprachraum) zwar “Gold Beat Implantation” genannt, tat das aber als erfahrener Akupunkteur. Seitdem die Methode im deutschsprachigen Raum populär geworden ist, wird sie auch von Kollegen angeboten, die weder eine Akupunkturausbildung noch entsprechende Erfahrung vorweisen können. Deshalb wurde schon früh der Begriff Goldakupunktur geprägt, der die Goldimplantation als Teil der Akupunktur im Sinne der TCM betrachtet. Nur in einer ganzheitliche Sicht, die auch andere Bereiche (v.a. Haltung und Ernährung) mit einschließt, lässt sich dauerhaft Erfolg erzielen.

Vorteile der GAP: minimalinvasive Operation mit einer maximalen Erfolgsrate (am deutlichsten bei der HD: etwa 95%). Es wird keine Struktur zerstört. Alle anderen Therapieverfahren bleiben offen für den Fall, dass diese Intervention nicht den gewünschten Erfolg zeigt.

Nachteile der Methode gibt es eigentlich nicht. Das Einbringen eines Goldstücks in das Gelenk ist ein Fehler – natürlich nicht völlig auszuschließen, wie das Bekenntnis von Terry Durkes beweist. Lässt sich aber korrigieren. In Amerika wird angeführt, dass MRI/MRT nicht möglich ist. Aber das gilt für jedes andere metallische Implantat ebenso.

Dem an Akupunktur interessierten Kollegen sei empfohlen, zunächst fundierte Kenntnisse und Erfahrungen in der Nadelakupunktur zu sammeln. Auf dieser Basis lässt sich dann die GAP sicher beherrschen. Wer an einen GAP-Kollegen (natürlich auch Kollegin) überweisen möchte, suche sich jemanden mit entsprechendem Hintergrund. Die vorhergehende Diagnostik kann i.d.R. in der Haus-Tierarzt-Praxis durchgeführt werden. Alle Medizin ist Erfahrungsmedizin. Man macht nur das gut, was man häufig macht. Und man kann nicht (mehr) alles machen.


Artikel erstellt am: 16. März 2007, 10:40