GGTM e.V.

Ganzheitliche Verhaltenstherapie

Dr. Daniele Zurr – 24.09.2007

Immer häufiger werden in der tierärztlichen Praxis Patienten wegen Verhaltensproblemen vorgestellt. Nach einer gründlichen Anamnese und Untersuchung wird ebenso wie bei körperlichen Erkrankungen eine Diagnose gestellt und hierauf beruhend ein Therapieplan erstellt. Dabei kann das Verhalten des Tieres auf unterschiedlichen Ebenen beeinflusst werden:

  1. technische Ebene, z.B. Wegräumen von Gegenständen, die der Hund nicht anknabbern soll; Leinenführung, um den Hund daran zu hindern, sich weiter zu entfernen
  2. körperlich-organische Ebene, z.B. dadurch, dass körperliche Verspannungen gelöst und das Körperbewusstsein des Tieres verbessert werden oder durch Hormongaben
  3. Verhaltensebene: z.B. indem ein erwünschtes Verhalten durch Futter oder Spiel verstärkt wird
  4. psychische Ebene, z.B. durch Bach-Blüten und Homöopathika (energetisch) aber auch durch Phytopharmaka und Psychopharmaka
  5. systemische Ebene, z.B. werden Beziehungszusammenhänge innerhalb der Familie aufgezeigt.

Hierbei ist zu beachten, dass die obige Einteilung in erster Linie der besseren Übersicht dient und die Ebenen nicht statisch sind, sondern miteinander verknüpft und in einander übergehend.
Der Therapieplan wird in der Regel eine Kombination von Maßnahmen auf den unterschiedlichen Ebenen beinhalten. Die genaue Zusammenstellung hängt sowohl vom individuellen Patienten, als auch seinem Umfeld und den Erfahrungen des Therapeuten mit den verschiedenen Verfahren ab. Unter ganzheitlicher Verhaltenstherapie ist dabei ein Therapieplan zu verstehen, der den individuellen Erfordernissen des Tieres und seines Umfelds bestmöglich gerecht wird und dabei sowohl schulmedizinische als auch regulationsmedizinische Ansätze umfassen kann.

Dem ganzheitlich arbeitenden Tierarzt stehen neben dem üblichen Therapieverfahren (z.B. technische Maßnahmen, Verhaltensmodifikation) auf den anderen Ebenen zahlreiche weitere Therapieverfahren zur Verfügung, von denen im Folgenden einige beispielhaft vorgestellt werden.

Körperliche Ebene:

Zahlreiche Therapieverfahren setzen auf dieser Ebene an. Die körperliche Entspannung des Tieres kann beispielsweise durch unterschiedliche Massagetechniken oder den Tellington-TTouch gefördert werden. Werden die Berührungen durch den Besitzer selbst ausgeführt, so wird gleichzeitig die Tier-Mensch-Beziehung positiv beeinflusst. Bei Hunden und Pferden können Führübungen, bei denen mit unterschiedlichen Untergründen und Hindernissen gearbeitet wird, eingesetzt werden, um die körperliche Balance zu verbessern. Durch diese Übungen lernt gleichzeitig der Tierhalter klar und verantwortungsvoll die Führung zu übernehmen und mit seinem Tier über eine für beide Seiten verständliche (Körper-)Sprache zu kommunizieren.
Immer häufiger werden Tiere vorgestellt, die auf Grund von hormonellen Störungen beispielsweise einer Schilddrüsendysfunktion Verhaltensabweichungen zeigen. In diesen Fällen ist eine Behandlung der Grunderkrankung vor der eigentlichen Verhaltenstherapie essentiell.

Psychische Ebene:

Die hierbei wohl bekanntesten Therapieverfahren sind die Bach-Blüten-Therapie und die Homöopathie. Beide Verfahren können eine energetische Umstimmung des Tieres bewirken und zu teilweise drastischen Verhaltensänderungen führen. Ebenfalls positive Erfahrungen liegen mit dem Einsatz der Akupunktur vor.
Sowohl westliche Phytotherapeutika als auch nach den Regeln der Traditionellen chinesischen Medizin ausgewählte Kräuter wirken auf Rezeptorniveau im Gehirn und können bei einigen Verhaltensproblemen hilfreich sein. In seltenen Fällen kann auch der Einsatz von Psychopharmaka notwenig sein. Dies gilt insbesondere, wenn der Leidensdruck für das Tier sehr groß ist (beispielsweise bei Stereotypien 3. Grades, extremen Ängsten auf Grund eines Deprivationssyndroms).

Systemische Ebene:

Sehr viele Verhaltensprobleme werden durch den Besitzer ungewollt verstärkt. Manchmal sind diese Zusammenhänge leicht zu erkennen und gut zu beheben. Häufig finden wir aber auch sehr komplexe, das Verhalten des Tieres beeinflussende Interaktionen zwischen den einzelnen Familienmitgliedern und dem Haustier. In diesen Fällen können gleichzeitig diagnostisch und therapeutisch wirkende Verfahren, wie z.B. die Familienaufstellung hilfreich sein.

Nicht alle Therapieverfahren können von ein und demselben Tierarzt beherrscht werden, daher kann eine Kooperation mit Kollegen sehr hilfreich sein. Um eine erfolgreiche Therapie sicher zu stellen und eine Verwirrung der Besitzer und ein Durcheinander an Heilungsimpulsen beim Tier zu vermeiden, sollte eine enge Zusammenarbeit angestrebt und ein Hauptansprechpartner für den Besitzer festgelegt werden. Gerade bei der Verhaltenstherapie neigen Tierbesitzer manchmal dazu, ungeduldig zu werden und nacheinander verschiedenste Therapieverfahren bei unterschiedlichen Therapeuten (meistens keine Tierärzte) durchzuprobieren. Dies führt in vielen Fällen zu einer Verschlechterung der Situation des Tieres, das durch ständige Änderungen verwirrt wird. Daher ist es wichtig, die Kompetenz des verhaltenstherapeutisch arbeitenden Tierarztes herauszustellen und dem Besitzer die Auswahl der eingesetzten Therapieverfahren plausibel zu erklären.


Artikel erstellt am: 16. März 2007, 10:48