GGTM e.V.

Wunder werden nicht vollbracht

Tiere/Ratgeber/KORR/

Von Akupunktur bis Homöopathie: Alternative Heilmethoden für Tiere

Von Stephanie Lettgen, dpa

Obersulm/Bremervörde (dpa/gms) – Akupunktur für einen Hund mit Dackellähmung, Homöopathie gegen das Herzleiden einer Katze: Alternative Heilmethoden sind bei der Behandlung von Tieren gefragt. Viele Halter wollen nicht mehr allein auf die
Schulmedizin vertrauen, wenn es um das Wohl ihrer Schützlinge geht. Doch Experten aus beiden Lagern wissen: Die Entscheidung zwischen klassischen und alternativen Methoden ist keine nach dem Motto «Entweder-oder».

Einen «regelrechten Boom» für die Naturheilkunde sieht die Tierärztin Heidi Kübler aus Obersulm (Baden-Württemberg), Vorsitzende der Gesellschaft für Ganzheitliche Tiermedizin (GGTM). In dem etwa 600 Mitglieder starken Verband haben sich überwiegend Veterinär-Ärzte zusammengeschlossen, die sich nach dem Studium in naturheilkundlichen Therapien fortgebildet haben.

Zur ganzheitlichen Methode zählt die GGTM neben der Schulmedizin zum Beispiel Akupunktur und Homöopathie. Die Bach-Blüten-Therapie könne bei Ängsten helfen, Pflanzentherapien unter anderem bei Lebererkrankungen, erklärt Kübler. Die ganzheitliche Tiermedizin nimmt für sich in Anspruch, Krankheitssymptome nicht isoliert zu betrachten, sondern das ganze Umfeld des Tieres einzubeziehen.

Was die Naturheilverfahren verbindet, sei die Fähigkeit, die Selbstheilungskräfte des Körpers anzuregen, sagt Tierärztin Sabine Gosch aus Muggensturm (Baden-Württemberg). Sie hat sich auf Akupunktur spezialisiert. Alternative Heilmethoden und Schulmedizin stehen sich nach Ansicht von Experten nicht konträr gegenüber: «Die Naturheilkunde ist eine wertvolle Ergänzung zur klassischen Schulmedizin», sagt Tierärztin Elke Deininger von der Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes in Neubiberg (Bayern). Auch Kübler betont: «Es geht nicht um “Entweder-oder”, sondern das eine geht nicht ohne das andere.»

Tierhalter müssen sich jedoch bewusst sein, dass die alternativen Heilmethoden ihre Grenzen haben: Bei Knochenbrüchen und anderen schweren Verletzungen sowie Seuchen oder Operationen sei ein Tierheilpraktiker nicht der richtige Ansprechpartner, sagt Jutta Schröter, Vorsitzende des Verbandes freier Tierheilpraktiker in Bremervörde (Niedersachsen).

Doch nicht immer ist es für den Laien leicht herauszufinden, welche Therapeuten und Behandlungen etwas bringen. «Es gibt in dieser Branche viele ungenügend ausgebildete Leute», sagt Heidi Kübler. Nicht jeder, der den Alleinvertretungsanspruch der Schulmedizin bestreitet, kennt sich bestens mit den Alternativen aus. Was die Suche nach einem guten Therapeuten zusätzlich erschwert: Es gibt eine verwirrende Vielzahl von Verbänden.

Denn bei der Tierbehandlung ist zwischen Ärzten und Heilpraktikern zu unterscheiden. Während die tierärztliche Ausbildung gesetzlich geregelt ist, darf sich Tierheilpraktiker jeder nennen. «Wir bedauern, dass es keine gesetzlich verbindlichen Regelungen für alle gibt», sagt Jutta Schröter, die wie die meisten Tierheilpraktiker einst einen ganz anderen Beruf erlernte.

Ihre Vereinigung hat sich mit vier anderen Verbänden zur Kooperation deutscher Tierheilpraktiker-Verbände zusammengeschlossen, die inzwischen rund 1000 Mitglieder hat. Diese haben gemeinsam Prüfungsrichtlinien für Tierheilpraktiker erarbeitet, um die Qualität der Ausbildung zu verbessern. Wer nicht besteht, kann kein Mitglied werden.

Problematisch ist auch, dass es bei den Heilpraktikern im Gegensatz zu den Tierärzten keine Gebührenordnung gibt. Dadurch kann es zu großen Preisunterschieden kommen. So könne eine Nadelakupunktur bei einem Kleintier bis zu 40 Euro pro Sitzung kosten, sagt Schröter. «Zudem lässt sich oft schlecht abschätzen, wie lange eine solche Behandlung dauern wird.» Denn bei Naturheilverfahren seien Zeit und Geduld wichtig. Sie warnt deshalb vor zu hohen Erwartungen: «Wir können keine Wunder vollbringen.»


Artikel erstellt am: 5. März 2007, 14:38