GGTM e.V.

Ehrenmitglieder der GGTM

Für die Würdigung besonderer Verdienste um die Regulationsmedizin in der Tiermedizin und um die GGTM verleiht die Gesellschaft für Ganzheitliche Tiermedizin die Ehrenmitgliedschaft.

Die Ehrenmitgliedschaft haben erhalten:

Dr. Ulrich Spielberger (2009)

Laudatio – zum 70. Geburtstag:

Am 26. November 2008 vollendet Dr. Ulrich Spielberger, ehemaliger 2. Vorsitzender der GGTM und Pionier der Phytotherapie in der Nutztierpraxis das 70. Lebensjahr. Von 1957-62 studierte er Tiermedizin an der Ludwig-Maximilian-Universität in München, promovierte dort 1962 mit einer Arbeit zum Einsatz von Harnstoff in der Rindermast, bevor er 2 Jahre lang in verschiedenen Praxen in Deutschland und in der Schweiz als Assistenztierarzt und Praxisvertreter tätig war. Von 1964-78 war er in einigen Ländern Afrikas (Republik Niger, Nigeria, Togo, Senegal, Kamerun) in der Tierseuchenbekämpfung tätig. Er führte Impfaktionen gegen Rinderpest und Bekämpfung der Tse-tse-Fliege als Vektor für die verlustreiche Rindertrypanosomiasis durch. 1970 erhielt er von der Republik Niger für seine Verdienste einen landwirtschaftlichen Verdienstorden und 1980 von der Bundesrepublik das Bundesverdienstkreuz am Bande für seine langjährige Tätigkeit in Afrika. Der Fachtierarzt für Tropische Veterinärmedizin wurde ihm 1975 von der Landestierärztekammer Baden-Württemberg zuerkannt.
1978 kehrte er mit Familie nach Deutschland zurück und ließ sich in Bonndorf im Schwarzwald in einer Gemischtpraxis nieder, war als Fleischbeschautierarzt in einem privaten Schlachthof tätig und fing an verschiedene Arzneimittelhersteller aus dem naturheilkundlichen Bereich zu beraten. Die Praxis mit Schlachttier- und Fleischuntersuchung gab er 2003 in jüngere Hände.
Seine Beratertätigkeit führt er bis heute weiter, 2006 übernahm er noch die Geschäftsführung der Fa. Plantavet in Bad Waldsee, daneben war und ist er berufspolitisch und in der Fort- und Weiterbildung von Tierärzten aktiv. Als Phytotherapeut der ersten Stunde gehörte er von 1992 bis 2005 zum Dozententeam der ATF-Phytotherapiekurse. Seit 1990 ist er 2. Vorsitzender der Internationalen Gesellschaft für anthroposophische Veterinärmedizin (IGAT), von 2002-2008 war er 3. Vorsitzender der Gesellschaft für Ganzheitliche Tiermedizin e.V. (GGTM).
Der Vorstand der GGTM wünscht dem Jubilar alles Gute und noch viele Jahre Gesundheit und Schaffenskraft im Kreise seiner Familie, seiner Kinder und Enkel und hofft, ihn auch weiterhin auf der einen oder anderen tiermedizinischen Veranstaltung begrüßen zu dürfen.

(Autorin: Dr. Heidi Kübler)

Kontaktdaten von Herrn Spielberger:

Dr. Ulrich Spielberger
Hansjakob-Str. 12
79848 Bonndorf
Telefon: +49 7703 8081
Email: Drspiel@gmx.de

Dr. med. vet. Walter Greiff (2005)
*27.09.1933 – +30.10.2005


Herr Dr. Greiff und Frau Dr. Kübler bei der Übergabe der Ehrenurkunde

Lebenslauf und Wirken
Am 27.09.1933 wurde Walter Greiff in Memmingen geboren. 7 Tage nach seiner Geburt starb seine Mutter, so dass er zunächst bei den Großeltern und dann auf dem väterlichen Hof aufwuchs. 1952 legte er in Memmingen die Abiturprüfung ab, um dann von 1952 – 57 an der Ludwig-Maximilian-Universität in München Veterinärmedizin zu studieren. Promoviert wurde er mit einer Arbeit zu „Untersuchungen über die Verwendung von Trockenmilch und Glykokoll in der Samenpufferung“. Seine Praktikanten- und Assistentenzeit verbrachte er in Stockach (Baden), Spaichingen (Württemberg) und Hennstedt (Schleswig-Holstein), bevor er sich am 01.10.1959 in eigener Praxis in Memmingen niederließ.

1960 trat er in den bpt (Bundesverband praktizierender Tierärzte e.V.) ein, 1964 in die DVG (Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft), 1970 in den Förderverein organisch/biologischer Landbau, 1973 in die ATF (Akademie für Tierärztliche Fortbildung), 1990 in die GGTM, den Zentralverband der Ärzte für Naturheilverfahren (ZÄN) und die Deutsche Ärzte-Gesellschaft für Akupunktur (DÄGfA). 1975 wurden ihm der Fachtierarzt für Rinder und der Fachtierarzt für Zuchthygiene und Besamung zuerkannt. Bereits 1975 wurde er Mitglied der ATF-Arbeitsgemeinschaft Homöopathie, Akupunktur, zytoplasmatische Therapie, welche 1988 dann in die ATF-Fachgruppe Naturheilverfahren umgewandelt wurde.

1977 übernahm er – zusätzlich zu seiner gut gehenden Tierarztpraxis – den väterlichen Hof und stellte ihn um auf biologisch-dynamische Landwirtschaft. Seit 1978 war er dann Mitglied des Aufsichtsrates der Rinderbesamungsgenossenschaft Memmingen, seit 1985 war er in der Delegiertenversammlung der Bayerischen Landestierärztekammer.

Seit 1986 durfte Walter Greiff die Zusatzbezeichnung Homöopathie führen und seit 1990 die Zusatzbezeichnung Akupunktur. Seit 1988 organisierte und leitete er die ATF-Fortbildungskurse in Veterinärakupunktur, die jährlich auf dem Kongress des Zentralverbandes Ärzte für Naturheilverfahren e.V. (ZÄN) stattfanden.

1988 konzipierte er das bundesweit einheitliche tierärztliche Weiterbildungssystem für Akupunktur und schaffte es, dieses in die ATF zu integrieren, wo es heute noch beheimatet ist. 1989 übernahm er die Leitung der Akupunktur-Weiterbildungskurse und wurde in den Weiterbildungsausschuss der Bayerischen Landestierärztekammer berufen.

1989 wurde Walter Greiff die Leitung der neu gegründeten Fachgruppe Naturheilverfahren in der DVG übertragen, deren Jahrestagungen er von 1991 – 1999 plante – in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Landestierärztekammer. Auf vielen weiteren regionalen und überregionalen Veranstaltungen war er in diesen Jahren als Referent tätig.

Von 1996 – 2000 – in einer für die GGTM überaus schwierigen Zeit, in der der Verein vor der Löschung durch das Amtsgericht stand, erklärte sich Walter Greiff trotz seiner vielen anderen Ämter bereit, das Amt des 3. Vorsitzenden unserer Gesellschaft zu übernehmen und ab 1997 im wissenschaftlichen Beitrag der ZGTM mitzuwirken.

Offiziell verabschiedete sich Walter Greiff 1998 aus seiner aktiven beruflichen Laufbahn. Doch erst recht im „Ruhestand“ war er unermüdlich aktiv – darauf bedacht, das Erreichte zu bewahren und weiterzuentwickeln, Nachwuchs zu suchen, zu fördern und in Ämter zu bringen. Er konnte einfach nicht „herunterschalten“, was sein überarbeiteter Körper ihm mit der Zeit sehr übel nahm. Mehrere Schlaganfälle fesselten ihn, der immer unterwegs war, schließlich ans Haus. Doch es gab damals ja schließlich Telefon und Fax. In vielen nächtlichen Faxen gab er seinen Getreuen Anweisungen wie zu verfahren sei. In den letzten beiden Jahren konnte er zu seinem Bedauern an keiner Veranstaltung mehr teilnehmen. Umso mehr freute er sich deshalb, wenn er Besuch von Kolleginnen und Kollegen bekam.

Schon die Aufzählung von Walter Greiffs Aktivitäten beeindruckt – auch wenn sie sicher nicht vollständig wiedergeben sind. Doch bedenkt man, dass er sich bereits in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts intensiv mit der Anwendung von Naturheilverfahren beim Tier beschäftigte – auch wenn er zunächst eher belächelt, später dann zum Teil heftig persönlich angegriffen wurde, dann kann man vielleicht die wahre Größe von Walter Greiff ermessen. Die damaligen persönlichen Anfeindungen ließen ihn nur noch vehementer für seine Sache eintreten.

Er erkannte sehr früh, dass nur eine solide Fort- und Weiterbildung der Tierärzte in den Naturheilverfahren eine dauerhafte Basis zur Befriedigung der steigenden Nachfrage von Tierbesitzern sein kann. Ebenso war er überzeugt, dass diese Fort- und Weiterbildung durch eine Organisation der Tierärzteschaft geleistet werden müsste. Deshalb engagierte er sich bereits ab 1975 in der ATF. Die Entstehung der Weiterbildungsgänge Akupunktur und Biologische Tiermedizin sind ganz wesentlich seiner Initiative und seinem steten Einsatz zu verdanken.

Mit seiner ihm eigenen, liebenswerten Art, seiner Hartnäckigkeit und Ausdauer – viele offizielle Sitzungen dehnten sich mit ihm inoffiziell bis in die frühen Morgenstunden aus – hat er unter großem persönlichen Einsatz in der Veterinärmedizin viel bewegt.

In die GGTM trat er erst 1990 ein, nachdem der Gründer Dr. August Lambardt plötzlich verstorben war. Er hatte ja schon genug Ämter und wollte sich eigentlich mehr im Hintergrund halten. Schnell erkannte er jedoch das Potenzial der Gesellschaft und die Bedeutung der damaligen „Deutschen Zeitschrift für Biologische Veterinärmedizin“, die 1991 in „Zeitschrift für Ganzheitliche Tiermedizin“ umbenannt wurde. Einige seiner Arbeiten wurden in der ZGTM veröffentlicht. Dass mit Dr. Hartmut Krüger nach dem Tod von Dr. August Lambardt schnell wieder ein Schriftleiter gefunden wurde, ist mit Walter Greiffs Verdienst. Legendär war in Freudenstadt zu seiner aktiven Zeit das „veterinärmedizinische Konsulat“ im Gasthaus Dreikönig, in dem zu fortgeschrittener Stunde so manche Idee geboren und so mancher junge Kollege/-in für die Regulationsmedizin begeistert wurde.

Als es 1995 zum Rücktritt des gesamten GGTM-Vorstandes kam, war es wiederum Walter Greiff, der an einer Neuorientierung und Neustrukturierung maßgeblich beteiligt war, der sich dann – trotz seiner vielen anderen Ämter – zur Übernahme eines Vorstandsamtes in der GGTM bereit erklärte. Als 1996 mit Dr. Heidi Kübler eine junge, in der Vereinsarbeit eher unerfahrene Kollegin zur 1. Vorsitzenden gewählt wurde, stand er ihr lange Jahre mit Rat und Tat zur Seite, um die GGTM zu konsolidieren, neu zu strukturieren und auszuweiten.

Er war immer für andere da, ohne groß an sich selbst oder seine Familie zu denken. Seinen 65. Geburtstag feierte er anlässlich eines ZÄN-Kongresses in Freudenstadt unter Kollegen anstatt zu Hause mit seiner Familie. So war er eben, der Walter!

Dass ihm für seine Verdienste Ehrungen zuteil wurden, war ihm persönlich nicht so wichtig. In der Robert-von-Ostertag-Plakette, die ihm die Bundestierärztekammer 2004 verlieh, sah er eher eine Anerkennung für die Regulationsmedizin. Das Fest, das die GGTM aus diesem Anlass für ihn ausrichtete und das Wiedersehen mit vielen Weggefährten, das war für ihn das Schönste an dieser Auszeichnung.

Wie muss es einem solch aktiven, rührigen Menschen gehen, der dann nicht mehr Herr über seinen Körper ist, der nicht mehr alleine aus dem Haus gehen kann geschweige denn verreisen? Auch wenn er nie darüber gesprochen hat, so ist doch anzunehmen, dass die letzten Lebensjahre nicht einfach für ihn waren.

Dabei hätte er uns „Jungen“ noch so viel zu geben gehabt. Seinen Erfahrungsschatz, seine Sichtweise der Welt, seine Kenntnisse werden uns fehlen.

(Autorin: Dr. Heidi Kübler)


Artikel erstellt am: 18. Oktober 2011, 09:41