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Phytotherapie

Dr. Gerd Riedel-Caspari und Dr. Cäcilia Brendieck-Worm – 16.11.2009

Allgemein Die Phytotherapie oder Pflanzenheilkunde [griechisch: Phyton = Pflanze] ist eine Heilmethode der Naturmedizin, bei der Heilpflanzenzubereitungen (Phytotherapeutika) eingesetzt werden.

Die Phytotherapie gehört zu den ältesten Therapiemethoden. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie relativ gut verträglich und nebenwirkungsarm ist.

Phytotherapie wird von allen Völkern und auch intuitiv von Tieren angewandt. Hunde, Schimpansen und andere Tiere kauen bei Verdauungsstörungen Pflanzen, die sie sonst nicht fressen. Rotwild wälzt sich in Kräutern mit wundheilungsfördernden Eigenschaften, wenn es verletzt ist. Und Vögel polstern ihr Nest mit aromatischen Kräutern, die antimikrobiell und Parasiten abweisend wirken und können so mehr Junge aufziehen.

Therapieverfahren

Phytotherapie als wichtiger Bestandteil aller medizinischer Richtungen

Die Pflanzenheilkunde ist ein wichtiger Bestandteil aller traditionellen medizinischen Systeme. Herausragende Bedeutung hat sie etwa in der ayurvedischen Medizin, in der tibetischen Medizin oder der japanischen Kampoo-Medizin. In der Traditionellen Chinesischen Medizin erfährt sie als Ergänzung zur Akupunktur große Wertschätzung. Aber auch in der Homöopathie trägt die Heilpflanzenkunde zu einem besseren Verständnis der Arzneimittelbilder bei und hilft die Wirkungen von Tiefpotenzen besser einzuordnen. Auch die Arzneimittel der so genannten westlichen Schulmedizin entstammen ursprünglich der Pflanzenheilkunde.


Arnika

In der westlichen Welt entwickelte sich die Phytotherapie im Laufe der letzten Jahre erneut zu einer eigenständigen und wissenschaftlich fundierten Medizinrichtung.

Die Wirkung von pflanzlichen Präparaten muss heute wissenschaftlich belegt werden, damit die pflanzlichen Medikamente, deren Wirksamkeiten erfahrungsgemäß schon lange bekannt sind, auch von den Zulassungsbehörden, der Bundesagentur für Arzneimittel (DAMA) für die Humanarzneimittel und dem Bundesinstitut für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) für die Tierarzneimittel zugelassen werden können.

h.4 Geschichte der Phytotherapie

Heilpflanzen zur Heilung, Kräftigung und Erhaltung der Gesundheit wurden in Europa intensiv von Mönchen und Ordensfrauen verwendet, und fast jedes Kloster hatte seinen eigenen kleinen Kräutergarten. Blätter, Blüten, Stängel, Wurzeln und Früchte wurden zu Arzneimitteln verarbeitet.

Im Mittelpunkt der Klostermedizin stand die Heilung und Linderung menschlicher Gebrechen.
Die Erkenntnisse und Erfahrungen der klösterlichen Pflanzenheilkundigen wurden im Mittelalter Bestandteil der “wissenschaftlichen” Medizin. Seither werden pflanzliche Medikamente auch von Ärzten, Apothekern und Drogisten zur Heilung und Stärkung kranker Menschen eingesetzt.

Ein berühmter Phytotherapeut war Paracelsus (1493-1541). Er gründete seine medizinische Tätigkeit auf Erfahrung, Experimenten und Naturbeobachtungen.

Um kranke Tiere kümmerten sich vor allem volksheilkundliche Heiler und Heilerinnen, Bauern und Hirten, die mündlich weitergegebene Erfahrungen über die Wirkung von heimischen Wildkräutern erkrankten Tieren zugute kommen ließen.

Eine regelrechte Tiermedizin entstand erst, als militärische Erfolge von gesunden Pferden abhingen. Die alten „Stallmeister“ legten ihre Kenntnisse schriftlich nieder und begründeten so die moderne Tiermedizin. In diesen frühen Schriften hatten Heilpflanzen für die Behandlung erkrankter Pferde einen großen Stellenwert.

Heutzutage wissen wir viel über die Inhaltstoffe der Pflanzen wie etwa Alkaloide, Ätherische Öle, Harze, Schleim-, Gerb- und Bitterstoffe, Vitamine und Enzyme.

Das von Expertenkommissionen kritisch geprüfte Erkenntnismaterial zur Botanik, Pharmakologie, Herstellung und praktischen Anwendung beim Menschen wurde in so genannten Heilpflanzenmonographien zusammengefasst. Ausgangspunkt der systematischen Sichtung des verfügbaren Wissens waren die Heilpflanzenmonographien der Kommission E, die dann zuerst von der Europäischen Wissenschaftlichen Kooperation für Phytotherapie (ESCOP) und nun vom Komitee für pflanzliche Arzneizubereitungen (HMPC) bei der Europäischen Arzneimittelagentur in London, sowie von der WHO in Genf für die gesamte Erde fortgesetzt werden.

Die Monografien unterliegen einer kontinuierlichen Überprüfung und sind Basis der modernen Phytotherapie. Es gibt jedoch bisher keinerlei Ansätze, ähnliche Wissenssichtungen für pflanzliche Tierarzneimittel zu erarbeiten.

h.4 Aktueller Stellenwert der Phytotherapie in der Medizin

Mit der Möglichkeit, einzelne Wirkstoffe aus Pflanzen zu isolieren oder gar synthetisch herzustellen, verlor die Phytotherapie an Bedeutung. Doch seit einigen Jahrzehnten erfreut sie sich zumindest in der Humanmedizin wieder steigender Beliebtheit.
Anders in der Tiermedizin, die sich über lange Zeit vor allem der Behandlung von Erkrankungen in der Massentierhaltung widmen musste. Hier sind schnell und durchschlagend wirkende, billige Arzneimittel zur Therapie ganzer Herden gefragt. Erst durch die zunehmende Haltung von Hobbytieren und die Hinwendung zum Einzeltier, das dem Menschen Kamerad und Familienmitglied geworden ist, entwickelte sich ein anderes Bewusstsein für Gesundheit und Lebensqualität dieser Tiere bei Tierhaltern und Tierärzten und damit auch eine Wertschätzung nebenwirkungsarmer Heilmethoden wie der Phytotherapie.

Sowohl bei Gegnern, als auch bei Befürwortern findet man häufig eine unsachliche Betrachtungsweise der Phytotherapie. Während erstere der Ansicht sind, dass Phytotherapeutika in ihren Wirkungen nicht genau genug einschätzbar seien und aus gar nicht oder schlecht geprüften Ausgangsstoffen hergestellt würden, somit ihr Einsatz als unverantwortlich angesehen wird, neigen manche Befürworter dazu, sie für gänzlich nebenwirkungsfreie Allheilmittel zu halten.
Hier ist eine differenzierte Betrachtungsweise nötig. Tatsache ist, dass moderne Phytotherapeutika aus definierten, standardisierten oder normierten Ausgangsstoffen (Drogen) bestehen und nach offiziellen Herstellungsleitlinien produziert werden. Für eine ganze Reihe von ihnen liegen klinische Studien und Anwendungsbeobachtungen vor, in denen sie ihre gute Wirksamkeit auch im Vergleich zu konventionellen Arzneimitteln bewiesen haben – oft bei deutlich besserer Verträglichkeit.

Doch Heilpflanzen sind nicht per se nebenwirkungsfrei. Das Spektrum der Heilpflanzen reicht von sehr drastisch wirkenden und mit äußerster Vorsicht einzusetzenden giftigen Drogen wie Tollkirsche, Stechapfel, Herbstzeitlose, Nieswurz und Fingerhut bis hin zu quasi nebenwirkungsfreien wie Ringelblume, Weißdorn, Kürbis und Melisse.

h.4 Von Tollkirsche bis Weißdorn

Besonders drastisch wirkende Heilpflanzen finden wir heute noch als hochverdünnte und potenzierte Zubereitungen in der Homöopathie, entsprechend dem Vergiftungsbild der Pflanze zumeist mit ganz anderen, der homöopathischen Lehre “Ähnliches mit Ähnlichem behandeln” entsprechenden Einsatzgebieten.
In der konventionellen Medizin begann man im vorletzten Jahrhundert mit Hilfe chemischer Arbeitsmethoden, einzelne Wirkstoffe aus besonders drastisch wirkenden Pflanzen zu isolieren und so gezielter einzusetzen.
Zum Beispiel wurden aus der Tollkirsche, Atropa belladonna, das Atropin und aus dem roten Fingerhut, Digitalis purpurea, Digitoxin und Digoxin isoliert. All diese Stoffe kommen auch heute noch in der modernen Medizin zum Einsatz. Sie haben in dieser Form den Vorteil, dass sie sehr genau dosierbar sind und es nicht etwa durch natürliche Schwankungen drastisch wirkender Inhaltsstoffe dieser Heilpflanzen zu risikoreicher Überdosierung kommen kann. Sie zählen jedoch als Arzneimittel, die nur noch einen isolierten Wirkstoff enthalten, nicht mehr zu den Phytotherapeutika.
Phytotherapeutika enthalten immer ein Gemisch aus Wirk- und Begleitstoffen. Nicht selten bestehen sie sogar aus Mischungen verschiedener Arzneipflanzen, wenn sie etwa in einfacher Form als verfütterbarer „Medizinaltee“ aus verschiedenen mehr oder weniger zerkleinerten Heilpflanzen zusammengestellt werden.

Moderne Phytotherapeutika unterscheiden sich von chemisch-synthetischen Arzneimitteln durch die Ausgangsstoffe, die für die Medikamente verwendet werden (ganze Pflanzen oder ihre Teile), nicht aber in den an sie gestellten Anforderungen. Diese Anforderungen an die Arzneimittelqualität und Arzneimittelsicherheit werden bei den pflanzlichen Arzneimitteln ebenso hoch angesetzt, wie bei chemisch-synthetischen Medikamenten.

h.4 Verträglichkeit von Phytotherapeutika

Die Wirkungen pflanzlicher Arzneimittel beim Menschen sind teilweise schon seit vielen Jahrzehnten oder Jahrhunderten wenn nicht seit Jahrtausenden bekannt. Aus Pflanzen, die sich in der Anwendung als gefährlich erwiesen, wurden Einzelbestandteile extrahiert, standardisiert und diese somit feiner dosierbar gemacht oder sie wurden durch andere Stoffe ersetzt.
Übrig geblieben sind bewährte Heilpflanzen, bei denen Nebenwirkungen weit seltener vorkommen als bei vergleichbaren synthetischen Präparaten.

In den vergangenen Jahren ist es wiederholt zu Anwendungsverboten für traditionsreiche Heilpflanzen gekommen, häufig aufgrund rein theoretischer Risikobeurteilung, d.h. es waren zwar keine Schadwirkungen durch die Anwendung aufgetreten, aber es wurden Inhaltsstoffe gefunden, die in isolierter Form toxisch wirken können. Einigen Anwendungsverboten liegen einzelne Schadensmeldungen zugrunde, bei denen die eindeutige Zuordnung des entstandenen Schadens zur verwendeten Heilpflanze zweifelhaft ist.

Gefahren gehen definitiv von Pflanzenmischungen aus, die nicht ausreichend kontrolliert wurden. Hier ist es bereits durch Verwechslungen mit giftigen artverwandten Pflanzen zu Todesfällen gekommen. Medikamente, die man als Arzneimittel in der Apotheke mit dem Aufdruck „Apothekenpflichtig“ kauft oder vom Tierarzt erwirbt, sind hingegen gut untersucht worden.

So muss der Hersteller zum Beispiel nachweisen, dass die verwendeten Inhaltsstoffe nicht krebserregend sind. Festgelegte Höchstmengen an Pflanzenschutzmitteln dürfen nicht überschritten werden, ebenso die Menge an eventuell problematischen Pflanzen-Inhaltsstoffen.

Diese strengen Regeln gelten sogar für losen Kräutertee aus der Apotheke. Gültigkeit haben derartige Vorschriften im Rahmen der Anforderungen der Futtermittelgesetzgebung auch für die genannten Ergänzungs- und Diätfuttermittel, in denen Pflanzen enthalten sind.
Auf jeden Fall gilt: Pflanzliche Mittel nehmen Einfluss auf den Organismus, und darum sollten sie nur gezielt eingesetzt werden.

Die Anwendung von Heilpflanzen am Tier ist insgesamt weit weniger intensiv untersucht als beim Menschen. Sowohl die Übertragung von beim Menschen gewonnenen Erkenntnissen auf das Tier, als auch die Übertragung von bei einer einzelnen Tierart gewonnenen Erkenntnissen auf andere Tierarten ist problematisch, da die einzelnen Tierarten recht unterschiedliche Stoffwechselsysteme haben. So ist der Stoffwechsel einer Kuh nicht mit dem einer Katze vergleichbar, der einer Ziege nicht mit dem eines Vogels.

Bestimmte Pflanzenwirkstoffe, wie z.B. ätherische Öle, werden von Pflanzenfressern gut vertragen. Ein Fleischfresser wie etwa die Katze hat jedoch große Mühe, sie auszuscheiden und kann durch ein Zuviel davon leicht geschädigt werden.


Echinacea

Wie bei jedem anderen Arzneimittel gilt auch hier deshalb besonders, dass die Medikamente nur nach Anweisungen des Tierarztes oder Apothekers gegeben werden sollen und die Anweisungen auf der Packungsbeilage befolgt werden sollten.

Einsatzgebiete

Phytotherapeutika sind in der Regel keine Arzneimittel zur Akut- und Notfallmedizin (Intensivmedizin). Eine Ausnahme bildet die Mariendistel, die nicht nur bei chronischer sondern gerade auch bei akuter toxischer Schädigung der Leber (z.B. Knollenblätterpilzvergiftung) Entscheidendes leistet.
Der Nutzen der Phytotherapeutika liegt vor allem im Bereich der Behandlung, Verhütung, Verzögerung und Unterbrechung chronischer und altersbedingter Krankheitsprozesse. Hier stellen sie eine wichtige Alternative zu chemisch-definierten Arzneimitteln dar.

In der Humanmedizin kommen Phytotherapeutika vor allem bei Erkrankungen des Nervensystems zum Einsatz. Baldrian beruhigt und fördert den Schlaf; Johanniskraut hilft bei leichten bis mittelschweren Depressionen und Ginkgo wirkt der Vergesslichkeit (Altersdemenz) entgegen. Bei Erkältungen werden Zubereitungen aus Ätherischöl-haltigen Pflanzen und abwehrsteigernde Mittel gern und mit gutem Erfolg verwendet.

Appetitlosigkeit und Blähungen wird am besten mit Bitterstoffen und ätherischen Ölen aus Pflanzen begegnet. Bei leichten funktionellen Herzbeschwerden gilt Weißdorn und bei gutartiger Prostatavergrößerung Kürbis, Brennnesselwurzel und Sägepalmenfrüchte als Mittel erster Wahl.

Die heute in der Regel sehr alt werdenden Hobbytiere, wie Pferd, Hund, Katze, Meerschweinchen, Kaninchen oder Vogel, leiden oft an ähnlichen Erkrankungen wie der Mensch. Insofern scheint für diese Tierarten eine Übertragung der Phytotherapie aus der Humanmedizin unter Berücksichtigung der Besonderheiten ihres Stoffwechsels sinnvoll.

Ganz andere Gesundheitsprobleme plagen unsere Nutztiere. Wegen der hohen Dichte von Tieren in der Massentierhaltung und der unter diesen Bedingungen schwer optimierbaren Hygiene erkranken insbesondere Jungtiere an Infektionskrankheiten des Darms und der Lunge.

Zuchttiere haben oft haltungsbedingte Fruchtbarkeitsstörungen. Und die Milchdrüsen von Kuh und Sau zeigen hohe Anfälligkeiten für Entzündungen.

Hier steht die Phytotherapie vor der Aufgabe, diese akuten Erkrankungen schnell und kostengünstig zu heilen – einem Anliegen, dem sie kaum gewachsen scheint. Nicht zuletzt, weil sie nicht auf gut erforschte Produkte aus der Humanmedizin zurückgreifen kann.

Rechtliche Grundlagen des Einsatzes von Phytotherapeutika bei Tieren

Arzneimittel dürfen nur nach den geltenden Bestimmungen des Arzneimittelgesetzes angewendet werden. Das Gesetz sieht für die Anwendung von pflanzlichen Arzneimitteln an Tieren verschiedene Wege vor. Dabei unterscheidet der Gesetzgeber deutlich zwischen Tieren, die zur Lebensmittelgewinnung dienen und Hobbytieren.

Am einfachsten ist es, bei einem kranken Tier ein Phytotherapeutikum anzuwenden, das für die jeweilige Tierart und die Erkrankung zugelassen ist. Dann sind sowohl die Zieltierart als auch Anwendungsgebiet und Dosierung auf der Packung angegeben.

Wenn das Arzneimittel nicht verschreibungspflichtig ist, kann sich der Tierbesitzer dieses Mittel auch selbst in der Apotheke besorgen. Er muss es dann genau nach den dort angegebenen Vorschriften anwenden.

Alle anderen pflanzlichen Arzneimittel dürfen nur von Tierärzten verschrieben und unter ihrer Verantwortung angewendet werden. Handelt es sich um Arzneimittel für Menschen oder hat er das Mittel in einer Apotheke extra herstellen lassen, wird er auf einem Rezept angeben, für welches Tier das Arzneimittel bestimmt ist, gegen welche Erkrankung es verschrieben wird und wie das Arzneimittel zu verabreichen ist.

Wenn das Arzneimittel einem Lebensmittel-liefernden Tier gegeben werden soll, wird auch eine Wartezeit angegeben. Die Regelwartezeiten betragen auch bei völlig unbedenklichen pflanzlichen Arzneimitteln 28 Tage für Fleisch, sieben Tage für Milch und zehn Tage für Eier.

In den vergangenen Jahren sind die Anforderungen an die Zulassung von Arzneimitteln stetig gestiegen. Nur wenige alte Tierarzneimittel konnten diese Anforderungen erfüllen und erhielten eine Nachzulassung, noch weniger konnten neu zugelassen werden.

Dies liegt daran, dass für pflanzliche Arzneimittel die gesetzlich vorgeschriebenen Untersuchungen
zu Wirksamkeit und Unbedenklichkeit wegen der vielen Inhaltsstoffe wesentlich aufwändiger sind als für synthetische Arzneimittel mit nur einem Wirkstoff. Eingebürgert haben sich in den letzten Jahren deshalb nicht medizinische pflanzliche Präparate, die mit geringerem Aufwand auf den Markt gebracht werden können. Dazu zählen vor allem Spezialfuttermittel und Tierpflegemittel.

Hat die Phytotherapie beim Tier eine Chance?

Zur Zeit zeichnet sich ein wachsendes Interesse an der Phytotherapie ab. Viele Menschen wollen für ihr Tier ebensolche sanften Heilmethoden wie für sich selbst. Hobbytiere werden immer älter und so wächst auch der Bedarf für Langzeitmedikationen ohne Nebenwirkungen.

Es fehlen jedoch Phytotherapeutika, die für diese Indikationen für Tiere zugelassen sind. Die Anwendung von Humanarzneimitteln am Tier durch Umwidmung scheitert in vielen Fällen an den gültigen gesetzlichen Vorschriften.

Bei den Lebensmittel-liefernden Tieren im Ökologischen Landbau ist die Verwendung rückstandsarmer und umweltverträglicher Medikamente zwar vorgeschrieben. Einem breiten Einsatz von pflanzlichen Arzneimitteln, die diese Anforderungen erfüllen würden, ist jedoch durch die zum Verbraucherschutz eingesetzte Rückstandshöchstmengenverordnung ein Riegel vorgeschoben.
Angesichts zunehmender Probleme in der konventionellen Landwirtschaft, vor allem durch das immer häufigere Auftreten Antibiotika-resistenter Krankheitserreger, ist hier dringend ein Umdenken beim Gesetzgeber erforderlich und die Forschung im Bereich der Phytotherapie zu ermöglichen und zu intensivieren.

In anderen komplementärmedizinischen Bereichen erkennt man zunehmend die Bedeutung der Phytotherapie. So erfolgt in der westlichen Traditionellen Chinesischen Medizin eine Rückbesinnung auf die Bedeutung der Phytotherapie in Kombination mit der Stimulation durch die Nadel. Und in der Homöopathie weitet sich das Verständnis insbesondere für die Wirkung von Tiefpotenzen mit dem Kennenlernen der Pflanze und ihrer Inhaltsstoffe.

Um das breite Spektrum phytotherapeutischer Möglichkeiten auch für Tiere nutzen zu können ist entscheidend, dass die rechtlichen Anwendungsbeschränkungen gelockert werden. Dazu gehören eine einfachere Anwendung von Humanarzneimitteln am Tier und die Aufnahme weiterer Pflanzen in die Rückstandshöchstmengenverordnung, damit auch unsere Nutztiere von der Phytotherapie profitieren können.

Fazit

Insbesondere bei chronifizierenden Erkrankungen, v.a. der Haut, der Bewegungsorgane, des Magen-Darmtraktes, sowie bei immer wiederkehrenden Infekten vor allem der Atemwege und der Harnwege sollte an Pflanzenheilmittel und ihre Fähigkeit zur Unterstützung der Selbstheilungskräfte des erkrankten Organismus gedacht werden.

Bei Unverträglichkeiten und Wirkungslosigkeit konventioneller Pharmaka können Phytotherapeutika einen Ausweg bieten. Ebenso kann ihr Einsatz dazu beitragen, dass nebenwirkungsreiche synthetische Pharmaka in ihrer Dosis reduziert werden können, was gerade bei Langzeit- und Daueranwendung von großer Bedeutung ist.

Fundierte Informationen auch für den Laien über die Anwendung von Heil- und Gewürzpflanzen finden Sie u.a. in dem Buch “Kräuter für Nutz- und Heimtiere” einer österreichischen Arbeitsgruppe (ISBN-Nr.: 10:3-200-00663-3, ISBN-13:978-3-200-00663-8).

Welchen Stellenwert Phytotherapie in einem ganzheitlichen Therapiekonzept haben kann, welche tierartlichen und individuellen Besonderheiten zu beachten sind, welche Arten der Applikation sinnvoll erscheinen (Intervall-Gabe, kurmäßige Anwendung etc.), wie Phytotherapeutika effektiv kombiniert werden können usw. erfahren Sie bei ganzheitlich therapierenden Tierärztinnen und Tierärzten.