GGTM e.V.

Homotoxikologie

Dr. Erich Reinhart – 17.03.2011

Allgemein



Die Homotoxikologie ist eine von dem homöopathischen Arzt Dr. Hans-Heinrich Reckeweg (1905 – 1985) entwickelte Krankheitslehre, die in „Homotoxinen“ (im Körper entstandene oder von außen aufgenommene und auf den Organismus einwirkende Schad- oder Belastungsstoffe; „Homotoxine“= wörtl. Menschengifte) die Ursache von Erkrankungen sieht.

Die Homotoxikologie geht davon aus, dass alle Krankheiten als biologisch sinnvolle Abwehrvorgänge gegen Homotoxine und daraus resultierende Ausgleichsprozesse zu interpretieren sind. Die Stadien der unterschiedlichen Krankheiten teilte Reckeweg in sechs Phasen der Homotoxinabwehr ein, woraus sich seine Sechs-Phasen-Tabelle der Homotoxikosen (=Krankheiten durch Homotoxine) ergibt.

Die ersten Krankheitsanzeichen äußern sich danach als gesteigerte Ausscheidung wie z. B., je nach Krankheit, als Schwitzen oder „laufende Nase“ (Exkretionsphase).

Bei einem Fortschreiten der Krankheit können die weiteren Phasen folgen, wie Entzündung (Inflammationsphase), Ablagerung von Stoffen im Bindegewebe (Depositionsphase), schließlich Imprägnationsphase (Ablagerung in Organzellen, Schwachpunktorgan, “Locus minoris resistentiae”), Degenerationsphase (Veränderung der Organzelle selbst) und im schlechtesten Fall die Bildung eines Tumors (Dedifferenzierungsphase, Verlust der Spezialisierung der Organzelle und Rückfall in unkontrolliertes Wachstum). Gelegentlich kann es auch zu einer Verlagerung von Krankheiten auf andere Gewebe bzw. Organe kommen (Vikariation), wie z.B. bei einem Wechsel zwischen Ekzem und Asthma.

Therapieverfahren



Die Therapie in der Homotoxikologie („antihomotoxische Therapie“) soll die Eigenregulation des Organismus anregen. Dadurch sollen je nach Situation das Abwehrsystem stimuliert und die Krankheit verursachenden Homotoxine neutralisiert und ausgeschieden werden.

Zur Entgiftung wirken ganz verschiedene Funktionen und Systeme des Organismus zusammen, die als System der großen Abwehr bezeichnet werden. Beteiligt sind dabei Teile des Immunsystems (Monozyten-Makrophagen-System), Vorgänge wie Entzündung und deren Regulation durch Nerven gesteuerte Funktionen sowie die Entgiftungsfunktionen von Leber und Bindegewebe.

Diese körpereigenen Abwehrmechanismen werden bei der Antihomotoxischen Therapie durch geeignete Arzneimittel (Antihomotoxika) unterstützt. Zum Einsatz kommen homöopathische Arzneimittel, da diese den Organismus nicht zusätzlich mit störenden Stoffen belasten.

Die Homotoxikologie versteht sich als eine erweiterte Homöopathie, die aufgrund ihres besonderen Krankheitsverständnisses im Gegensatz zur klassischen Homöopathie häufig homöopathische Kombinationspräparate verordnet, die für bestimmte Krankheitszustände zusammengestellt sind, dagegen seltener homöopathische Einzelmittel.

Die Wahl der passenden Präparate kann deshalb in vielen Fällen orientiert an der vorliegenden Krankheitsdiagnose erfolgen und erfordert somit wesentlich weniger Aufwand bei der Arzneimittelwahl.

Arzneimittel



Der antihomotoxische Arzneimittelschatz ist gegenüber der klassischen Homöopathie um spezifische Wirkstoffgruppen erweitert worden.

Hierzu zählen folgende vier Präparategruppen: homöopathisch verarbeitete Ausgangsstoffe vom Schwein (potenzierte Suis-Organpräparate), Stoffe mit Bedeutung für den Zellstoffwechsel bzw. die Zellfunktion (intermediäre Katalysatoren) sowie homöopathisch verarbeitete chemische Verbindungen, insbesondere Antibiotika (homöopathisierte Allopathika).
Als vierte Gruppe sind homöopathische Präparate aus Krankheitserregern, wie Bakterien oder Viren, sowie bestimmten Krankheitsprodukten zu nennen (Nosoden).

Dabei haben alle vier genannten Präparategruppen ihren speziellen Anwendungsschwerpunkt. Während die Suis-Organpräparate zur Behandlung bei einer Schwäche des entsprechenden Organs des Patienten eingesetzt werden, dienen die sogenannten intermediären Katalysatoren dazu, den intermediären Stoffwechsel in der Zelle und damit vor allem die Energieversorgung der Zelle bei chronischen Krankheiten zu verbessern.

Homöopathisierte Allopathika werden vor allem bei Therapieschäden durch synthetische Arzneimittel verwendet. Nosoden werden bei chronischen Krankheitszuständen eingesetzt, die in Verbindung mit früher durchgemachten Infektionen stehen. Alle antihomotoxischen Arzneimittel sind jedoch homöopathische Arzneimittel, d.h. sie werden mittels der homöopathischen Potenzierung hergestellt.

Vorteile der antihomotoxischen Therapie



Die auf der Grundlage der Homotoxikologie zusammengesetzten Arzneimittel stellen eine sinnvolle Kombination von Bestandteilen aus dem gesamten homöopathischen Arzneimittelschatz und ggf. auch aus den genannten spezifischen Arzneimittelgruppen dar.

Durch solche Kombinationen wird die Eigenregulation des Organismus gestärkt oder neu in Gang gesetzt, wodurch sich der Krankheitsverlauf in Richtung einer Besserung oder Heilung ändert.

Durch die Anwendung kleinster Substanzmengen in den potenzierten Arzneimitteln, die zudem aus der natürlichen Lebensumwelt von Mensch und Tier stammen, bilden die antihomotoxischen Arzneimittel beim Nutztier keine Rückstände und erfordern keine Wartezeit. Auch beim Kleintier, Hund und Katze, ermöglichen sie ohne Belastung durch Fremdstoffe von außen eine wirksame Behandlung im Einklang mit den Selbstheilungsbemühungen des Organismus.

Bewährte Anwendungsgebiete für Antihomotoxische Präparate



Aufgrund des umfassenden Therapieansatzes und der Vielfalt der zur Verfügung stehenden Präparate kann die Antihomotoxische Therapie in der Tiermedizin eine Reihe von wichtigen Krankheitsgebieten abdecken. Bei akuten Erkrankungen wie z. B. Entzündungen oder Verletzungen, aber auch bei viral oder bakteriell bedingten Erkrankungen unterstützen die Präparate eine schnelle und komplikationslose Genesung. Auch bei Stoffwechselerkrankungen und hormonellen Störungen bieten die Antihomotoxischen Präparate erfolgversprechende Ansatzmöglichkeiten.

Zu den Domänen der Biologischen Medizin einschließlich der Homotoxikologie gehören neben den akuten auch subakute, chronische und degenerative Erkrankungen, die heute aus verschiedenen Gründen nicht nur beim älteren Tier zunehmend das Krankheitsgeschehen bestimmen. Mittels der Antihomotoxischen Medizin und ihrer Präparate kann sowohl bei Unter- als auch bei Überreaktionen des Abwehrsystems (Abwehrschwäche, Allergie), bei chronischen Organerkrankungen sowie bei degenerativen Veränderungen, beispielsweise am Bewegungsapparat oder an inneren Organen, und schließlich auch bei bzw. nach Tumorerkrankungen eine Regulation der Körperfunktionen bewirkt werden. Damit kann in den meisten Fällen der Krankheitsverlauf und, oft schon davor deutlich erkennbar, das Allgemeinbefinden entscheidend verbessert werden.