GGTM e.V.

Bach-Blüten-Therapie

Dr. Heidi Kübler – 09.07.2007

Was tun, wenn der Hund auf einmal Angst vor einem steigenden Heißluftballon hat und panisch davonrennt? Oder wenn die Katze immer in die frisch gewaschene Wäsche pinkelt, ohne dass sie eine Blasenentzündung hat? Wenn ein neues Tier oder eine Baby in die Familie kommt und das erste Tier das nicht akzeptieren will? Diese und noch viele andere Probleme können vom Tierarzt nicht als Krankheit gesehen werden, denn bei einer Untersuchung sind keine körperlichen Befunde da. Trotzdem belasten sie das Tier und seine Menschen sehr und sollten nicht auf die leichte Schulter genommen werden, denn daraus entwickeln sich oft genug kaum noch lösbare Probleme. Hier kann eine Therapie mit Bach-Blüten Hilfe bringen.

Ursprung der Bach-Blüten-Therapie

Die Bach-Blüten-Therapie wurde nach ihrem Begründer, dem englischen Arzt Dr. Edward Bach (1886 – 1936), benannt. Er entwickelte in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ein Therapiesystem für Menschen mit 38 verschiedenen pflanzlichen Einzelmitteln und einem Kombinationsmittel, der Nummer 39 – Rescue Remedy, Notfalltropfen.

Dieses Kombinationsmittel – Rescue Remedy – ist das heute wohl bekannteste Bach-Blüten-Präparat und besteht aus den Essenzen von fünf verschiedenen Pflanzen. Einsatzgebiet sind alle akuten körperlichen und psychischen Notfallsituationen bei Mensch und Tier. Nach Unfällen kann der Tierbesitzer bereits auf dem Weg zum Tierarzt sein verletztes Tier als Erstmaßnahme damit versorgen.

Dr. Edward Bach hatte die Vision, eine einfache und preiswerte Therapie für Menschen zu schaffen, die jeder mit guter Beobachtungsgabe an sich selbst und seiner Familie anwenden könne. Er war überzeugt, dass jeglicher körperlicher Erkrankung Disharmonien im Seelenleben vorausgehen. Wenn man bereits diese seelischen Disharmonien behandelt, muss der Mensch erst gar nicht krank werden, so glaubte er.

Die Bach-Blüten-Therapie wird heute bei den zahlreichen Behandlungsverfahren der Regulationsmedizin eingeordnet. Sie wird beim Menschen bei psychischen Problemen oder bei chronischen und immer wiederkehrenden Erkrankungen als alleinige Therapie oder als Zusatz zu anderen Behandlungsverfahren eingesetzt. Seit etwas mehr als 25 Jahren wird sie nun auch schon bei Tieren erfolgreich bei Befindlichkeits- oder Verhaltensstörungen und als Begleitbehandlung von körperlichen Erkrankungen eingesetzt.


Die Heckenrose dient zur Herstellung einer Blütenmischung.

Für die Bach-Blüten-Präparate werden auch heute noch die von Dr. Edward Bach gefundenen wild wachsenden, ungiftigen Blumen, Büsche und Bäume verwendet und Wasser aus einer heilkräftigen Quelle. Die Mittel werden mit ihren englischen Eigennamen bezeichnet und zusätzlich nach alphabetischen Gesichtspunkten von 1 – 39 nummeriert.

Wann helfen Bach-Blüten?

Domäne der Bach-Blüten-Therapie ist der Bereich psychischer und psychosomatischer Erkrankungen und Befindlichkeitsstörungen. Doch auch chronische Erkrankungen, Entwicklungsstörungen, Altersbeschwerden und Probleme, die immer wiederkehren, können mit Bach-Blüten oft positiv beeinflußt werden. Ein Hund, der bei jedem lauten Geräusch aufschreckt oder in Panik davonrennt, befindet sich im Dauerstress, eine Katze, die sich nach einem Umzug in der neuen Umgebung nicht zurechtfindet, ebenso. Stress kann sich auf die Funktion des Immunsystems negativ auswirken. Unter Dauerstress wird es dann nicht mehr mit den alltäglichen Belastungen alleine fertig und das Tier erkrankt auch körperlich. Werden Dauerstressfaktoren nicht erkannt und nicht behandelt, treten körperliche Erkrankungen immer wieder auf oder heilen erst gar nicht richtig aus.

Da heute Tiere mehr und mehr als Familienmitglieder betrachtet werden, haben psychische Probleme einen ganz anderen Stellenwert erhalten als vor 50 Jahren. Besitzer sehen viel eher als früher die Notwendigkeit, ihren Gefährten bei Angstproblemen, Unsicherheit oder Anpassungsschwierigkeiten zu helfen.

Durch eine gut ausgewählte Bach-Blüten-Therapie wird natürlich aus einem ängstlichen Tier kein Draufgänger und aus einem lebhaften Tier keine „Schlaftablette“, doch wirkt die Therapie ausgleichend auf Extremverhalten, so dass Mensch und Tier auf Dauer gut damit leben können.

Wann helfen Bach-Blüten nicht?

Vor einer Behandlung mit Bach-Blüten sollte ein Tier grundsätzlich von einem Tierarzt/-ärztin sorgfältig untersucht werden. Dies gilt vor allem dann, wenn Sie Ihr Tier selbst mit Bach-Blüten behandeln möchten. Hinter verändertem Verhalten können ernstzunehmende Erkrankungen im Anfangsstadium stecken wie z.B. Herz-, Leber- oder Nierenerkrankungen, bei denen eine Bach-Blüten-Therapie nicht helfen kann. Schreiten solche Erkrankungen erst einmal so weit fort, dass das Tier schwer krank ist, kann auch die moderne Tiermedizin nur noch begrenzt helfen, während eine Behandlung im Frühstadium von Herz-, Leber- oder Nierenerkrankungen sehr erfolgreich ist.

Auch manifeste Organerkrankungen oder Notfallsituationen sind keine Domäne der Bach-Blüten-Therapie. So braucht z.B. der Diabetiker sein Insulin, bei starkem Blutverlust kann eine Bluttransfusion notwendig werden, bei einem gebrochenen Bein muss der Knochen erst einmal wieder in seine richtige anatomische Lage gebracht werden, damit er gerade zusammenwachsen kann. Bei nicht art- und tiergerechter Haltung und Ernährung können Bach-Blüten nur dann helfen, wenn gleichzeitig die Haltungs- und Ernährungsbedingungen verändert werden.

Wenn das Problem oder Fehlverhalten eines Tieres mit Spannungszuständen in seinem unmittelbaren Umgebung zusammenhängt, denen es nicht ausweichen kann,
können Bach-Blüten alleine auch nicht helfen. Hat eine Katze Angst vor kleinen Kindern und kann sich nicht auf Plätze zurückziehen, an die die Kinder nicht herankommen, ist es nicht verwunderlich, wenn sie – in die Enge getrieben – Kinder angreift und dieses Verhalten auch durch die Gabe von Bach-Blüten nicht beeinflußt werden kann.

Dauer einer Bach-Blüten-Behandlung

Als Faustregel gilt: Je akuter ein Problem ist, desto kürzer ist auch die Behandlungsdauer und desto einfacher ist die Auswahl der passenden Blüten. Kommt die Katze nach einem Katzenkampf völlig verstört nach Hause, verkriecht sich und will sich nicht beruhigen, so kann eine auf diese Situation hin ausgewählte Blütenmischung diesen Schock innerhalb von 2-3 Tagen auflösen und das Verhalten der Katze normalisieren.

Ergreift der Hund schon jahrelang bei plötzlichen lauten Geräuschen im Freien die Flucht oder hat schon Jahre bei Feuerwerk Panikattacken, kann eine Dauertherapie von mehreren Monaten bis hin zu Jahren notwendig werden, wobei die Auswahl der benötigten Bach-Blüten in regelmäßigen Abständen von einem erfahrenen Therapeuten überprüft werden sollte. In vielen Fällen kann eine Bach-Blüten-Mischung prophylaktisch vor bestimmten zu erwartenden Situationen gegeben werden.

Bei chronisch kranken Tieren oder Tieren, die wegen bestimmter Störungen bereits erfolglos mit den unterschiedlichsten Therapieverfahren behandelt wurden, sollte auf jeden Fall ein Experte mit langjähriger Erfahrung aufgesucht werden. In solchen Fällen ist in regelmäßigen Abständen eine Neubestimmung der benötigten Bach-Blüten angezeigt, denn viele dieser problematischen Zustände haben eine eigene Dynamik und verändern sich im Laufe der Zeit. Die Behandlung von chronischen Erkrankungen läuft nach dem „Zwiebelprinzip“ ab: Durch die Bach-Blüten wird das Krankheitsgeschehen Schicht für Schicht aufgearbeitet wie bei einer Zwiebel, bei der beim Schälen Schale um Schale entfernt wird. Unter jeder Schicht können wieder andere – in einer früheren Zeit bereits einmal da gewesene – Zustände zum Vorschein kommen, die weitere oder andere Blüten benötigen.


Auftropfen von Bach-Blüten.

Therapieerfahrungen

Mit der Bach-Blüten-Therapie kann vielen Tieren mit sanften und weitgehend nebenwirkungsfreien Mitteln geholfen werden, die zwar körperlich nicht schwer erkrankt sind, die aber Verhaltensweisen zeigen oder entwickeln, unter denen sie selbst, aber auch ihre Halter offensichtlich leiden.

Schwer oder unheilbar erkrankte Tiere können durch den Einsatz von Bach-Blüten psychisch stabilisiert werden. Selbst wenn eine Heilung nicht möglich ist oder das Tier lebenslang starke Medikamente bekommen muss, kann eine gut gewählte Bach-Blüten-Mischung die Lebensqualität dieser Tiere erhöhen. In manchen Fällen ermöglichen Bach-Blüten einem sterbenskranken Tier ein sanftes Einschlafen oder helfen dem Tierbesitzer, den richtigen Zeitpunkt für eine Euthanasie zu bestimmen.

Alles in allem ist die Bach-Blüten-Therapie in den Händen gut ausgebildeter Tierärzte/-innen eine Bereicherung der vorhandenen Therapiemöglichkeiten.

Wo finde ich Spezialisten für Bach-Blüten?

Nicht in allen Tierarztpraxen wird die Bach-Blüten-Therapie angeboten. Doch arbeiten inzwischen immer mehr Tierärzte/-innen, die dieses Therapieverfahren nicht selbst durchführen, mit spezialisierten Praxen zusammen.

Fragen Sie also zuerst Ihren Haustierarzt, ob dieser Ihnen eine seriöse Adresse nennen kann, bevor Sie sich über Bücher, Zeitschriften, Internet auf die Suche machen. Kann er Ihnen keinen kompetenten Kollegen empfehlen, finden Sie in der Tierärzteadressenliste der GGTM Tierärztinnen und Tierärzte, die diese Therapieform anbieten.

Fallbeispiele:

Fall 1: Siamkater – Umzug

Nach einem Umzug in eine neue Wohnung mit neuen Möbeln in ein Mehrfamilienhaus kam der 16-jährige Siamkater überhaupt nicht mehr zurecht. In der ersten Woche verließ er nur kurz seine Schlafhöhle, um etwas zu fressen und aufs Katzenklo zu gehen. Ab der zweiten Woche kam er dann mitten in der Nacht heraus und lief stundenlang kläglich miauend durch die Wohnung. Eine Bach-Blüten-Mischung wurde anfangs 4 x täglich verabreicht. Nach einer Woche trat das nächtliche Schreien nur noch sporadisch auf und auch tagsüber kam der Siamkater öfters aus der Schlafhöhle, um die neue Wohnung zu inspizieren. Insgesamt bekam er vier Wochen lang die Bach-Blüten, bis er sich völlig eingelebt hatte.

*Fall 2: Mittelschnauzer-Rüde – Gewitter *

Der 6-jährige Mittelschnauzer-Rüde reagierte auf Gewitter zunehmend ängstlich und panisch. Einen Grund oder ein konkretes Ereignis dafür konnte sein Besitzer nicht erkennen. Inzwischen war es schon so schlimm, dass der Hund bereits Stunden vor einem Gewitter zu zittern anfing, nichts mehr fraß und nicht mehr zu bewegen war das Haus zu verlassen. Beim ersten leisen Donnergrollen verkroch er sich unters Sofa und tauchte erst Stunden nach einem Gewitter wieder auf.
Eine für den Hund ausgewählte Blütenmischung wurde anfangs für vier Wochen täglich über das Trinkwasser verabreicht, danach nur noch an Tagen, an denen es Gewitter geben sollte. Heute gibt der Besitzer die Tropfen nur noch sporadisch bei starken Gewittern, wenn sein Hund zu zittern anfängt.

Fall 3: Europäische Hauskatze – Unsauberkeit

Aus zunächst unbekanntem Grund verließ eine 11-jährige Hauskatze kaum noch das Haus und setzte regelmäßig Kot in der Nähe der Balkontüre ab. Begonnen hatte dieses Verhalten eines Tages, als die Katze fauchend und mit gesträubtem Fell nach Hause kam und sich kaum beruhigen ließ. Es stellte sich heraus, dass in der Nachbarschaft ein kräftiger Kater zugezogen war. Vermutlich waren die beiden Katzen einmal unerwartet zusammengetroffen und hatten gerauft, wobei die ältere Katze einen Schock erlitten hatte und dann vermutlich aus lauter Angst Kot absetzte, wenn sie den Kater durch die Scheibe der Balkontüre sah. Eine Bach-Blüten-Mischung, die der Katze mehrmals täglich auf den Kopf getropft wurde, half innerhalb von nur sechs Tagen.