GGTM e.V.

Kongressrückblick 18. IKGT

18. Internationaler Kongress für Ganzheitliche Tiermedizin
06. – 08. April 2018, Nürnberg


1812 Phytotherapie bei Krebserkrankungen

Im Seminar des AK-Phyto widmeten wir uns sowohl der kurativen als auch der palliativen Phytotherapie bei Krebserkrankungen. Dabei standen zwei Arzneipflanzen im Fokus: die Mistel, Viscum album und der Einjährige Beifuß, Artemisia annua.
Als erste Referentin durften wir Ulrike Biegel begrüßen, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in der Schweiz seit 2001 überwiegend mit der Erforschung und Anwendung der Misteltherapie bei tumorkranken Tieren beschäftigt ist.
Die Vorgehensweise ihres Teams, der Viscum-Vet Gruppe des FiBL, wird geprägt durch die Zielvorgabe, die bisher v.a. in der anthroposophischen Medizin angewendete Misteltherapie auch in der konventionellen Tiermedizin, insbesondere im wissenschaftlich orientierten Hochschulbereich als praktikable Therapieoption zu etablieren. Zum Einstieg vermittelte Ulrike Biegel Grundlagenwissen zur Mistel und ging dabei auf die Besonderheiten der Mistelpräparate-Herstellung und die durch den jeweiligen Wirtsbaum bestimmten Unterschiede einzelner Sorten ein. Sortenauswahl und bewährte Anwendungsprotokolle für verschiedene Tumorarten wurden erklärt und der Umgang mit der Webseite der Viscum-Vet Gruppe (www.viscumvet.org) demonstriert. Diese Webseite bereitet in vorbildlicher Form die in Studien gewonnenen Erkenntnisse zur Mistelanwendung für den Praktiker auf. Ulrike Biegel stellte zudem aktuelle Forschungsarbeiten zur antitumoralen und immunmodulatorischen Aktivität von Mistelzubereitungen vor. Die Studienergebnisse bei hochmalignen Tumoren wie Lymphom, Osteosarkom und oralem Melanom ergänzte sie mit eindrucksvollen, sorgfältig aufbereiteten Falldarstellungen. Dabei profitierten die Seminarteilnehmer von ihrer langjährigen Erfahrung in der Beurteilung der Mistelwirkung am Tier und erhielten zudem wertvolle Tipps für den Umgang mit Komplikationen.
Die sich anschließenden Ausführungen von Alexandra Nadig zeigten einmal mehr, dass therapeutischer Fortschritt auch direkt aus der Praxis kommen kann. Es braucht dazu einen hohen Anspruch an Effektivität und Verträglichkeit einer Krebstherapie, das aufmerksame Verfolgen wissenschaftlicher Arbeiten und den Mut, daraus eigene Konzepte zu entwickeln.
Auch Alexandra Nadig konnte mit einer Vielzahl bemerkenswerter Falldarstellungen aufwarten, in denen neben der Mistel auch Artemisia annua eine wichtige Rolle spielte. Diese in der chinesischen Medizin seit ca. 2000 Jahren eingesetzte Pflanze hat nicht nur ein großes Potential bei Malaria und anderen Blutparasiten, sondern bewährt sich auch als Krebstherapeutikum. Auch hier erhielten die Teilnehmer einen Überblick über die aktuellen Forschungsaktivitäten. Alexandra Nadig thematisierte dabei auch den Medien-Hype um Artemisia annua und die daraus erwachsenden Folgen.
Die spürbar mit Herzblut an der Etablierung der Misteltherapie arbeitende Kollegin Ulrike Biegel und die von Pioniergeist erfüllte Praktikerin Alexandra Nadig trafen in diesem Seminar auf hoch motivierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer, mit denen es zu regem und fruchtbarem Erfahrungsaustausch kam.
Auch der zweite Teil des Seminars, der der palliativmedizinischen Betreuung lebensbegrenzend erkrankter oder alter Tiere gewidmet war, lebte vom Austausch mit den Teilnehmern. Zuerst skizzierte Cäcilia Brendieck-Worm die Voraussetzungen für eine palliativmedizinische Betreuung. Anschließend widmete sie sich dem Potential pflanzlicher Zubereitungen in der Pflege und der Therapie typischer Symptomatiken am Lebensende, wie Schmerz, Atemnot, Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö, Obstipation, ulzerierende Tumore, Dekubitalgeschwüre, Angst, Verwirrtheit und Krämpfe. Dabei kamen neben den Möglichkeiten immer auch die Grenzen der palliativen Therapie zur Sprache.
Insgesamt konnte in diesem 1 1/2 tägigen Seminar ein ansehnliches Spektrum phytotherapeutischer Möglichkeiten bei Krebs und in der palliativmedizinischen Betreuung schwerstkranker und sterbender Tiere aufgezeigt werden. Angesichts des zunehmenden Anteils alter Tiere im Klientel und der sich wandelnden Einstellung der Besitzer zu ihren Haustieren, erweisen sich diese nebenwirkungsarmen therapeutischen Möglichkeiten als vorteilhaft.

Dr. Cäcilia Brendieck-Worm


Seminarbericht zum 1818 Osteopathie – kraniosakrale Therapie
Untersuchung und Behandlung der Schädelbasis und der spinalen Dura

5 Hunde haben 19 Teilnehmer/innen des Seminars „Untersuchung und Behandlung der Schädelbasis und der spinalen Dura“ ermöglicht, ihren Palpationshorizont zu erweitern.
An dieser Stelle zuallererst ein großer Dank an diese wunderbaren Hunde und selbstverständlich an die Teilnehmerinnnen, die sie mit gebracht haben!
In 1,5 Tagen haben wir erfahren dürfen, daß auch tief liegende Strukturen wie die Schädelbasis scheinbar spielend einfach erreicht werden können durch empathisches Visualisieren bei geeigneter Handanlage.
Eine weitere Erfahrung in feinsinniger Palpation, die auch fern liegende Strukturen erreichen kann, wurde möglich über das Erspüren der duralen Verbindung zwischen Sakrum und Okziput und darüber hinaus sogar in die Schädelbasis und ihre Spannungsmuster.

Ute Reiter und Henrike Könneker


Kongressbericht Homöopathie Seminare 1813 und 1814

Das war eine runde Sache!
Die beiden sehr gut besuchten Krebsseminare boten Informationen auf höchstem Niveau.
Den Beginn machte Dominique Fraefel aus der Schweiz. Bis zu 30 Tierpatienten betreut er täglich in seiner Praxis in Zürich in direktem oder indirektem Kontakt. Es sind vor allem chronisch kranke und Krebspatienten, denen er sich widmet. Knapp drei Stunden lang fesselte er mit seinem enormen Fachwissen die aufmerksamen Seminarteilnehmer/innen.
Eine völlig andere Heransgehensweise stellten die Kolleginnen Wiese und Schleich aus Berlin vor. Nach den Banerji-Protokollen behandeln sie Tiere in ihrer mobilen Praxis. Dabei werden die bewährten Indikationen der Ärzte Banerji aus Indien verwendet, die gerade den Homöopathie-Einsteigern sehr entgegenkommen. Nach der Mittagspause moderierte Anne Seyfried mehrere Kurzvorträge von Mitgliedern des AK Homöopathie zum Thema „Was war der Schlüssel zur erfolgreichen Therapie bei diesem Krebspatienten?“ In lebhaften Diskussionen erfuhren die Zuhörer viel Wissenswertes über die einzelnen Therapieansätze der Vortragenden.
Ein weiteres Highlight war am Samstag das Seminar „Homöopathie bei Tumorpatienten“ mit Martina Hartmann von der Krebsklinik Santa Croce, Schweiz. Kollegin Hartmann, studierte Tierärztin und Ärztin, zeigte in einem absolut professionellen Vortrag ihr profundes Wissen über alle Aspekte der Krebstherapie. Einen großen Raum nahm die Unterweisung über den korrekten Einsatz von Q-Potenzen ein. Weitere Schwerpunkte waren die Anwendung von organotropen Arzneien, die sowohl begleitend als auch palliativ eingesetzt werden können und mehrere Fallberichte über schier unglaubliche Erfolge.
Nochmals vielen Dank an alle Referenten und Zuhörer für ihre anspruchsvolle und dennoch fröhlich-lockere Mitwirkung an diesen Seminaren.

Dr. Bernhard Hornig


Regulationsmedizinische Tumortherapien – Die 4. Säule der Krebstherapie

Die Idee, einige leicht umsetzbare Therapieschemata aus unterschiedlichen Therapierichtungen der Regulationsmedizin zu präsentieren und dazu noch Möglichkeiten der Begleittherapie aufzuzeigen, wurde sehr gut angenommen, das Seminar war bis auf den letzten Platz ausgebucht. Kurze Referate zu unterschiedlichen Teilaspekten wie Entgiftung, Ausleitung, Zellstoffwechsel beeinflussen, zur eigentlichen Tumortherapie und zur Begleit- und Schmerztherapie stellten sowohl an die Referenten als auch an die Aufmerksamkeit der Teilnehmer hohe Ansprüche. Dafür gab es eine Fülle an Informationen und viele Anregungen für die Teilnehmer, die sofort in der Praxis umgesetzt werden können. Anschaulich dargestellt wurde das im Laufe des Tages in der Theorie Besprochene durch die Präsentation von Therapieverläufen anhand von Fallbeispielen. Jeder Referent hatte Fallbeispiele aus seinem Wirkungskreis mitgebracht. Immer wieder beeindruckend ist es, dass Tumorpatienten unter regulationsmedizinischer Therapie oft noch lange eine sehr gute Lebensqualität haben. Der Niederbruch kommt oft innerhalb von wenigen Tagen, einige Möglichkeiten der Begleitung wurden zum Schluss noch kurz dargestellt. Ein ausführliches Skript konnte jeder Teilnehmer mit nach Hause nehmen.

Die GGTM dankt den Firmen Heel, Plantavet und vitOrgan für die Unterstützung bei der Ausrichtung des Seminars.

Dr. Heidi Kübler

Kongressbericht TCVM 2018

Störungen auf der molekularen Ebene – Altes Wissen mit neuen Möglichkeiten aus der TCM
Oder: Sind die Klassiker heute noch zeitgemäß und wenn ja, wie können wir dieses Wissen in der klinischen Praxis nutzen? Katrin Noack und Sabine Vollstedt

In diesem Jahr wurden die Klassiker der TCM in Bezug auf die 6 Schichten und deren Organe besprochen, um zu ergründen, ob sie für die heutigen Erkrankungen besonders im Bereich der chronischen Entzündungen und Mikrozirkulationsstörungen noch Bedeutungen besitzen. Die Grundlage dafür waren prägnante Definitionen aus den Klassikern, die sowohl sprachlich mit Interpretation der Symbole wie auch inhaltlich näher betrachtet wurden. Ausgehend von den Beschreibungen dynamischer Vorgänge der Organe und deren Meridiane wurde ersichtlich, dass man sie heute selbst in wissenschaftlicher Literatur wiederfindet und dadurch auch neue Sichtweisen von Behandlungsstrategien entwickelt werden können. Es konnte gezeigt werden, dass auch in den Klassikern vor 2000 Jahren schon von Erkrankungen und deren Behandlungen gesprochen wurde, die unseren modernen Zivilisationskrankheiten entsprechen. Sie alle haben den gemeinsamen Nenner der Störungen auf der Ebene der Mikrozirkulation und daraus resultierender Entzündungen und Entwicklung komplizierter Krankheitsmuster.

Anschliessend wurden dann spezifische Erkrankungen mit chronischen Entzündungsreaktion wie Metabolisches Syndrom, Cushing, Hufrehe und EOTRH, betrachtet. Es waren deutliche Zusammenhänge dieser Entzündungen mit den Grundlagen der Klassiker ersichtlich.

Ein weiterer Schwerpunkt war eine spezielle Form einer chronischen Entzündung, das Gu Syndrom. Dieses Syndrom ist in der neueren Literatur nicht mehr zu finden, während es in den alten Klassikern durchaus Bedeutung besitzt. Her geht man von ursprünglich pathologischen Erregern aus, die, obwohl nicht mehr auffindbar, immer noch schwerwiegende Probleme bereiten. Es gibt spezifische Akupunkturpunkte und Chinesische Kräuter, die beim Gu Syndrom angewendet werden können, um entsprechende Therapieerfolge zu erzielen.

Ganz ähnlich, aber mit kleinen Unterschieden wurden Autoimmunerkrankungen näher betrachtet und genauer definiert. Diese doch komplizierten Muster von Entzündungen bedürfen einer genauen Betrachtung auf Basis eines guten Grundwissens, da es sich um komplexe Vorgänge handelt. Möglich Behandlungsstrategien sind nicht immer einfach ersichtlich und eine genaue Diagnose ist notwendig, um wirksame Behandlungsstrategien zu erarbeiten.

Anschliessend wurde die Tumortherapie diskutiert in kurativer wie auch palliativer Form. Da es sich hier ebenfalls um eine Fehlsteuerung des Immunsystems handelt, sind die chinesischen Grundlagen für Mikrozirkulationsstörungen wieder greifend.

Alle Erkrankungen wurden mit Fallbeispielen belegt und es gab von den Teilnehmern Berichte und auch Anekdoten von Patienten und deren Behandlungen. Dadurch entstand ein kollegiales und aufgeschlossenes Klima, in dem gemeinsam diskutiert und auch gelacht wurde. Dieses Seminar war war von daher nicht nur fachlich reich gefüllt sondern hat auch Tierärzte gleicher Interessen zusammengebracht und für einen Austausch auf allen Ebenen gesorgt.

DVM Katrin Noack, Dr. Sabine Vollstedt


Artikel erstellt am: 3. Mai 2018, 08:44