GGTM e.V.

Ein persönlicher Rückblick: Osteopathie – Kleintier Kompakt 2014/2015 in Hemer



Seit fast 30 Jahren bilden verschiedene Therapieverfahren aus der Komplementärmedizin einen Schwerpunkt meiner tierärztlichen Tätigkeit.
Der Osteopathie stand ich zwar grundsätzlich positiv gegenüber, hatte aber nur eine vage Vorstellung davon, was diese ausmacht.
Und eigentlich wollte ich auch keine für mich vollkommen neue Methode mehr erlernen.
Bis ich mich für meinen Eurasierwelpen Niko , damals ca. 14 Wochen alt, im Februar 2014 wegen unklarer Bewegungsstörungen, welche schulmedizinisch nicht eindeutig erfassbar waren, auf die Suche nach einer geeigneten Physiotherapeutin machte und eine Osteopathin fand, nämlich Ute Reiter.

Auffällig war, dass Niko die erste Behandlung (und alle später folgenden) offensichtlich genoss. Er war über den gesamten Zeitraum der Behandlung (immerhin eine ganze Stunde) vollkommen entspannt ich stand lediglich daneben oder hielt ihn leicht im Arm. Ebenso auffällig war, dass ich in der darauf folgenden Nacht so tief und gut schlief, wie schon lange nicht mehr. Eigentlich wurde ja nur mein Hund behandelt.
Kurz darauf, im März 2014, begann „zufällig“ in Hemer eine neue Ausbildungsreihe für Osteopathie unter der Leitung von Ute Reiter und Henrike Könneker.
Damit begann für mich eine faszinierende Reise in eine Welt des tierischen und menschlichen Körpers, die mir und wohl den meisten von uns, bisher verborgen geblieben war.
Auch der Ausdruck „ganzheitliche Therapie“ erhielt nochmals eine neue Bedeutung.

Der Körper bildet eine biologische Einheit – dazu gehört auch seine Psyche.
Alle seine Strukturen und alle seine Funktionen sind untrennbar miteinander verbunden.
Es besteht eine Wechselwirkung zwischen Struktur und Funktion.
Und er besitzt die natürliche Eigenschaft, sich selbst zu regulieren, d.h. die Fähigkeit, sich selbst zu heilen.
Alles Leben ist Bewegung. Beweglichkeit gibt es nicht nur in den Gelenken sondern auch in allen Geweben und Organen bis hinein in die einzelnen Zellen.

Diesen theoretischen Überbau der Osteopathie haben wir -verblüffend schnell – praktisch erfahren.
Wie viel Eigenbewegung wirklich in unserem Körper und dem unserer Patienten steckt, auch wenn dieser äußerlich vollkommen ruhig scheint, war uns allen nicht im Entferntesten klar.
Wir alle haben während des Studiums gelernt zu palpieren.
Was wir aber mit unseren Händen zu fühlen vermögen, wenn wir nur bereit sind, uns mit allen Sinnen und unserem gesamten Bewusstsein darauf einzulassen, ist mir erst durch die Osteopathie klar geworden. Diese besondere Art des Fühlens haben wir in Hemer alle erlernt. Wir lernten Spannungen im Körper zu erspüren und dann mit unseren Händen und unserem Bewusstsein einen Heilimpuls zu setzten, welcher den Körper des Patienten zur (Selbst)Heilung anregt.
Allerdings nur dann, wenn dieser Körper noch über Selbtsregulationskräfte verfügt und wenn der Patient es zulässt. Die Osteopathie kann den Anstoß geben, die Heilung erfolgt durch den Körper des Patienten selbst.
Weitere Hilfsmittel sind dafür nicht nötig – keine Laboruntersuchungen, kein Röntgen, keine Injektionen.
Die osteopathische Diagnostik und Therapie ist nicht auf den Bewegungsapparat beschränkt, sie umfasst auch alle anderen Strukturen des Körpers. So lassen sich z.B. auch Atemwegserkrankungen, Magen-Darmstörungen oder Blasenentzündungen osteopathisch erfassen und therapieren. Häufig sind diese auch durch Verkettung miteinander verbunden. Die Auflösung der Hauptursache kann im Idealfall ohne weitere Behandlung zur Auflösung aller übrigen Symptome führen. Und wenn es uns gelingt, Spannungen aus dem Körper heraus zu nehmen, hat dies selbstverständlich auch Einfluss auf die Psyche des Patienten.
Solch eine Art des Arbeitens kann nicht ohne Auswirkung auf die beteiligten Personen bleiben.
Ute und Henrike ist es gelungen, uns nicht nur die osteopathischen Techniken des Fühlens und Therapierens zu vermitteln, sondern auch eine eigene und besondere osteopathische Denkweise. Über die eigentlichen Seminarinhalte hinaus haben sie Anstöße gegeben, uns selbst und unsere Umgebung anders zu begreifen.
So entwickelte sich eine überaus fruchtbare und harmonische Gruppendynamik zwischen allen Teilnehmern. In diese wurden auch neu hinzukommende Teilnehmer der letzten Ausbildungsjahre, welche die erstmals angebotenen Module für den Thorax bzw. das Urogenitalsystem belegten, sofort nahtlos eingeschlossen. Aus einem Gefühl der Sicherheit und des Vertrauens, lernten wir uns selbst auf eine neue Weise kennen und unserer eigenen Wahrnehmung und unseren Fähigkeiten zu vertrauen. Diese Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen.
Um es osteopathisch zu formulieren: Alles Leben ist Bewegung – dies gilt für den Körper ebenso wie für den Geist.

Kurt Fischer


Unsere erfolgreiche Osteopathie – Kleintier Kompakt-Ausbildung wird wieder stattfinden.
Ab Oktober 2015 startet die nächste Modulreihe in Lorsch (Hessen).
Die Modulreihe hat eine ATF- Anerkennung von 132 Stunden.
Weitere Informationen finden Sie unter hier


Artikel erstellt am: 16. Juni 2015, 07:56